Rund um die Turfroute

Reisebericht von Karl-Heinz Czierpka

Dieser Bericht entstand im Sommer 2001 während einer zweiwöchigen Rundreise durch die Provinzen Friesland, Drenthe und Overijssel. Um 52 Betriebsstunden war der Zähler auf unserer Doeraak weitergerückt, fast 300 Kilometer Kanäle, Meere und andere Wasserflächen lagen am Ende hinter uns.25 Schleusen mussten passiert werden und ungezählte bewegliche Brücken. Dabei haben wir das gefunden, was wir gesucht haben - nur nicht immer da, wo wir es zu finden glaubten.

Ein solcher Törn ist nichts für bequeme Crews, denn Schleusen machen Arbeit, die vielen Brücken erfordern oftmals zusätzliche Anlegemanöver - es ist eine Tour für Leute, denen das Fahren und Manövrieren mit dem Boot Spaß macht. Dabei erhebt dieser Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit - wir haben nicht alle Städte und Stätten besucht - das wäre in nur zwei Wochen kaum möglich gewesen, mindestens aber in Stress ausgeartet. Und schließlich hatten wir Urlaub! Immerhin haben wir nahezu 700 Fotos mit Digital- und Kleinbildkamera gemacht und 5 Stunden mit der Videokamera gefilmt. Und wir haben "unser" Lieblingsrevier gefunden: die Linde. Doch dazu auf den nächsten Seiten mehr!

Das gibt´s noch! Teilstück der Friesischen Turfroute bei Donkerbroek

Am Anfang stand die Idee, die Turfroute zu befahren, die "klassische" friesische Route rund um die Ortschaft Gorredijk und die Drentse Hoofdvaart. Daraus wurde dann eine Rundfahrt durch drei Provinzen über die unterschiedlichsten Reviere. Schon bei der Routen-Planung wurde klar, dass die Wahl des Bootes die Möglichkeiten unterwegs beeinflusste. Da wir auf jeden Fall in der historischen Driewegesluis schleusen wollten, war eine maximale Höhe von 2,40 Meter vorgegeben, damit waren auch alle festen Brücken im Bereich der Linde passierbar. Und der Tiefgang sollte (möglichst deutlich) unter einem Meter liegen. Bei Yachcharter Turfskipp in Echtenerbrug wurden wir fündig und charterten mit einer älteren Doeraak ein klassisches Boot, dass sogar zur Route passte. Praktischerweise lag damit unser Start- und Zielhafen sehr nahe am angepeilten Revier.

Je nach dem, welche Teile der Route befahren werden sollen, kann auch ein größeres Boot in Frage kommen. So beträgt die Höhe der niedrigsten Brücken auf der Opsterlandes Compagnonsvaart 3,30 Meter, auf der Drentse Hoofdvaart liegt die kritische Höhe bei 5,40 Meter, hier hilft nur ein genaues Stuidum der Karten und Bücher, um für das eigene Boot die Grenze zu suchen bzw. die maximale Höhe für ein Charterboot herauszufinden.

Die "klassische" Turfroute umfasst den friesischen Teil, grob gesagt von Hijkersmilde nach Akkrum und, ein zweiter Zweig, nach Herrenveen. Dazu kommt die Drentse Hoofdvaart von Meppel nach Hijkersmilde. Diese Kanäle werden nur noch von der Sportschifffahrt benutzt.

Die Provinz Drenthe bietet den Benutzern dabei sogar kostenlose Schleusen- und Brückendienste an, auf Meppelerdiep und Drentse Hoofdvaart von Juli bis August sogar Sonntags! Überhaupt gibt man sich viel Mühe mit den Sportskippern: ein Faltblatt mit detaillierter Karte informiert über den Service an der Strecke und erinnert an die üblichen Regeln. Zusätzliche Angaben über die Fahrwege, Rufnunmern und weitere Hilfen vervollständigen dieses Informationsblatt.

Auf der friesischen Seite ist die Struktur eine andere: Die Unterhaltungskosten der Turfroute teilen sich die Provinz Friesland, die Gemeinden Opsterland und Oosterstellingwerf sowie die Stiftung "De Nije Kompanjons", eine private Initiative, die für die Wiederauferstehung der vom Verfall bedrohten Turfroute sorgte. Diesen „neuen Kompanjons“ ist es zu verdanken, dass die Strecke überhaupt noch besteht! In den Siebzigern sollten die Kanäle zugeschüttet, auf den neuen Flächen in den Orten Parkplätze errichtet werden.

Heute gibt es nur Zustimmung für die neue alte Turfroute, der Fremdenverkehr boomt und hat zu einer neuen Blüte geführt. Die Idealisten aus der Stiftung "De Nije Kompanjons" aber haben jahrelang gegen die drohende Zerstörung kämpfen müssen - und glücklicherweise den Sieg davongetragen. Ihrem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass dieses wunderschöne Stück Friesland heute noch erlebbar ist!

Jeder Benutzer kauft eine Vignette (an der ersten Schleuse) für z.Zt. 25 Gulden (aktuell 12,50 Euro) und damit sind Brücken- und Schleusenbenutzung abgegolten - trotzdem zahlten wir gerne an den vielen so genannten "Selbstbedienungsbrücken". Diese Fuß- und Radwegebrücken brauchen gar nicht selbst bedient werden. Es sind immer Kinder zur Stelle, die bereitwillig die Hindernisse öffnen und den Skippern das umständliche zweimalige Anlegen ersparen. Klar, dass dann immer auch ein Holzschuh mit Angel bereit liegt, um den fälligen Obolus einzuholen.

Die Boven Linde - für uns die Entdeckung des Törns

Viele weitere Wasserwege rund um diese "Klassiker" bieten sich für einen Törn an bzw. müssen ohnehin befahren werden, will man auf die o.a. Kanäle gelangen. So würde ich immer die Fahrt durch die Weerribben empfehlen, einen Abstecher nach Giethorn (bloß nicht am Wochenende) oder aber auf die Linde machen. Mit der Linde haben wir ein Revier gefunden, das an Schönheit und Abgeschiedenheit die anderen deutlich in den Schatten gestellt hat und das wir uneingeschränkt empfehlen können!

Sonntags nie: Unbedingt einkalkulieren, dass Schleusen und Brücken auf der friesischen Turfroute Sonntags nicht bedient werden, ab Samstag 17.00 Uhr ist Wochenende!!! Das sollten Sie bei der Planung auf jeden Fall berücksichtigen. Wir haben den Sonntag in Gorredijk verbracht, gemeinsam mit etwa 20 anderen Booten lagen wir fünf Minuten vom Zentrum. Bei schönstem Wetter haben wir es unseren fast ausschließlich niederländischen Nachbarn gleich getan: Da wurden die Liegestühle ausgepackt, die Angel ins Wasser geworfen und mit dem Ladebaum das Beiboot zu Wasser gelassen. Fröhliche Campingplatz-Atmosphäre machte sich breit. Und wie an so vielen anderen Anlegestellen war unsere Sorge um eine ruhige Nacht völlig unbegründet. Es war ein schöner Tag, zumal das Zentrum Gorredijks mit vielen Restaurants in unmittelbarer Nähe lag. Schade nur, dass das Turfrouten-Museum in Gorredijk (Hoofdstraat 59) gerade am Sonntag geschlossen ist - das wäre doch eine Idee für den “fahrtfreien Tag“, oder?

Malerischer Anlegeplatz an Sluis III

Aber wer den "freien Tag" einsam und in totaler Ruhe genießen will - entlang der Turfroute gibt es auch dazu 1001 Möglichkeit. Hier ein Platz bei Sluis III zwischen Oosterwolde und Donkerbroek. Und wenn genügend Vorräte gebunkert sind, wird auch das ein schönes Erlebnis.Direkt an der Schleuse ein malerischer Platz für die Nacht.

Doch Vorsicht, oftmals bieten Anlegeplätze weniger Land, als man es vom Wasser aus erwartet. Hier an der Sluis III etwa gibt es nur einen schmalen Streifen Festland, ein kurzes Stück Weg endet an unmittelbar an hohen Weidezäunen. Manchmal sind Anlegeplätze an allen Seiten von Wasser umgeben. Für Menschen sicher kein Problem, zählt aber ein Crew-Mitglied zum Beispiel zu den Hundeartigen, so ist ein solcher Platz für die Nacht schon eine echte Enttäuschung: Kein Spaziergang, kein Auslauf und manchmal arge Probleme, wenn der Vierbeiner für seine tägliche Verrichtung noch Ansprüche an Bewuchs und Lage stellt.

Radfahren entlang der Kanäle wird immer beliebter. Oft wird man durch Radfahrer überholt - längs vieler Kanalstrecken sind in den letzten Jahren neue Radwege entstanden. An der Reling vieler Boote sieht man Fahrräder, so können unterschiedliche Interessen der verschiedenen Familienmitglieder prima miteinander verbunden werden. Und viele schöne Stellen (z.B. Nationaal Park Drents-Fries woud) liegen abseits der Wasserstraßen - mit Fahrrädern ist man da sehr gut beweglich, zum Brötchenholen sind sie allemal eine große Erleichterung, vor allem, wenn man abseits der Ortschaften liegt.

Radwegekarten zeigen die "Umsteigemöglichkeiten", so kann man planen und Treffpunkte vereinbaren. Gut geeignet sind die Schleusen - wo sie entstanden, wurden immer auch Straßen angelegt, oftmals waren die Schleusen ja erst Ursache für die Ansiedlung von Gastwirten und Handwerkern und somit Keimzelle für die heutigen Dörfer und Städtchen. Somit sind dort, bis auf ganz wenige Ausnahmen, immer auch Brücken und damit die Gelegenheit, die radelnden Crew-Mitglieder wieder an Bord zu nehmen. Durch Sperren können die weidenden Klauentiere die Durchlässe für die Radfahrer nicht überwinden, diese können aber ungehindert durchfahren.

Informationstafeln geben in regelmäßigen Abständen Hinweise auf den Weg und Sehenswürdigkeiten, Ortschaften usw. am Rande der Strecke. In wessen Brust also zwei Herzen schlagen - hier können zwei schöne Freizeitbeschäftigungen kombiniert werden. Fehlt nur noch das Komplettangebot mit ausgearbeiteter Route, möglichen Treff- und Umsteigepunkten und einem günstigen Charterangebot für Rad und Boot - Ride and Ship - oder so ähnlich. Eine echte Marktlücke.

Achtung: Mittlerweile gibt es eine sehr gute kombinierte Rad- und Wasserwegekarte, die genau diese Möglichkeit eröffnet! Hinweise auf der Informationsseite!

Ein Jahr nach diesem Törn habe ich in Zusammenarbeit mit den "Kompanjons" die Domain www.turfroute.de erstellt. Unter dieser Adresse finden Sie aktuelle Informationen "Rund um die Turfroute".

Sie können diesen Bericht Seite für Seite durchgehen (neudeutsch: absurfen), am Ende einer jeden Seite finden Sie einen Link zur nächsten Seite. Sie können aber auch von einer zentralen Startseite mit Karte ausgehen und dann in beliebiger Reihenfolge einzelne Teilstücke ansehen. Auch zu dieser Startseite gibt es auf jeder Einzelseite einen Link.

Außerdem gibt es eine Seite mit Informationen über Literatur und Links zum Thema "Turfroute". Auch diese Seite ist über die Startseite zu erreichen!

Und nun viel Spaß!

Karl-Heinz Czierpka

Zur Startseite der Turfroute

Der Reisebericht ist Teil der Domain www.czierpka.de. Das Copyright liegt bei Karl-Heinz Czierpka, es gelten die im Impressum aufgeführten Grundsätze. Wir sind unterwegs mit der Mercurius von Yachtcharter Turfskip.