Sommertörn 2005 - Niederlande Nord-West

Etappe 5: Seitensprung - von Leiden nach Katwijk

Bericht von Karl-Heinz Czierpka

Und dann heißt es Anlegen: Ich muss das Manöver jetzt mal ganz objektiv schildern, weil ich weiß, dass ihr das (naja, viele von euch jedenfalls) sehr gut nachvollziehen könnt. Anlegen in Katwijk, strammer Wind von vorn, direkt von der Nordsee, aus erster Hand sozusagen, fünf bis sechs Windstärken, böig, die Boxen-Gasse (Nee, falscher Begriff, fehlen die Boxen-Luder, also besser: die Steg-Gasse) - egal, also der Raum zwischen den Stegen: sehr schmal. Ich kann eigentlich gar nicht zu unserem Platz kommen, so stark werde ich an die lee-seitigen Stege gedrückt. Aber das hat man ja durch jahrelanges Üben im Griff, ich lasse also die Tremonia ziemlich schräg zwischen die Stegreihen laufen, peile unsere Nummer an, 72. Kurzer Steg links, rechts ein Pfahl, so hoch, dass er über die Scheuerleiste reicht, kein Problem also mit einer Berührung.


Blick von der Nordsee auf den Yachthafen

Der Wind drückt. Also hart Ruder gelegt, Gasstoß nach vorn, die seitliche Abdrift mit einem klitzekleinen Impuls des Bugstrahlers ausgeglichen, gleichzeitig wieder ein gefühlvoller Gasstoß und schon zeigt die Nase der Tremonia in die Box, die rechte Seite legt sich vorsichtig an den Pfahl, jetzt nur noch das Heck rum, dann habe ich gewonnen. Also Ruderlage bleibt unverändert, kleine Fahrt nach vorn. (Kann man beim Lesen die Dynamik der Situation annähernd nachempfinden, miterleben???). ABER: der Wind ist nicht mein Freund, nicht heute morgen, nicht hier in Katwijk, wieder eine Böe von vorn und schon wird die Tremonia zurückgedrückt.


Moderne Stege mit Strom und Wasser - und alles für 8 Euro pro Nacht!

Ich aber mit dem Einfühlungsvermögen, dass man nur bekommt, wenn man mit seinem Boot zu einer Einheit verschmolzen ist - ich also wieder ein kleines bisschen mehr Fahrt voraus, nochmal kurz den Schalter vom Bugstrahler nur angetippt, nein, fast nur angeschaut - und da ist sie in der Box! Bin ich schon drin - jawoll!! Ute kann einen kleinen Schritt auf den stabilen Steg machen, der Nachbar kommt und murmelt irgendwas von moi und leuk - er hat drei Versuche gebraucht, wie er hinterher kleinlaut gesteht - und ist trotzdem der einzige weit und breit, der auch nur annähernd verstehen kann, was ich da eben gezeigt habe, es ist zum Haare raufen. Aber darum erzähle ich es euch ja, ganz ohne Übertreibung, die reine Wahrheit, so war es, in Katwijk aan Zee, am 22. Juli 2005 um exakt 11.38, an einem Freitag bei zeimlich böigem Wind. Vielleicht drucke ich es mir ein paar Mal aus und wenn ich beim nächsten Mal ein Anlegemanöver versemmele, dann werfe ich die Zettel in die Runde, damit die hunderte von Gaffern, die bei solchen Gelegenheiten ja immer zur Stelle sind, es wissen.: ICH KANN ES, auch wenn es manchmal in die Hose geht.

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