Mit der Store Baelt durch die Waddenzee

Klassenfahrt 2005 auf einem Großsegler

Bericht von Karl-Heinz Czierpka

Kapitel 1: Vorbemerkung und Start

Eine Woche mit 30 Kids im besten Flegelalter unterwegs? Und dann auch noch auf einem Segelschiff?? Mit Selbstversorgung??? Nein Danke! Oft gehörte Meinung wenn irgendwo die Sprache auf die bevorstehende Klassenfahrt kam. Die saufen, rauchen, sind faul, unerzogen und frech und völlig "bocklos", setzen sich über alle Regeln hinweg - das muss man sich doch nicht auch noch freiwillig zumuten. Unausgesprochen in eingen Gesprächen: Wie blöd bist du eigentlich, hast du das nötig?

In der Tat macht man sich als Klassenlehrer schon so seine Gedanken im Vorfeld einer geplanten Reise, schließlich trägt man vor Ort die Verantwortung, ist Mutter- und Vaterersatz, Ausputzer für jeden Fehler und jedes Mißgeschick, Antreiber und Raubtierdompteur in einem, steht gerade bei einem solchen Projekt mit Selbstversorgung organisatorisch ständig unter Strom und ist letztlich auch noch gegenüber der Dienstaufsicht und den Eltern immer in einer schwachen Position, wenn es wirklich mal hart auf hart kommt.


Leider schon wieder vorbei: Crewfoto am Ende des Törns in Harlingen

Die Entscheidung für oder gegen eine Klassenfahrt kann man nur immer wieder im Einzelfall treffen. Denn natürlich ist bei 30 Jugendlichen das gesamte Spektrum vertreten: Verwöhnte Muttersöhnchen, die noch nie eine Zwiebel zerkleinert oder gar eine Toilette gereinigt haben, total ankotzende nachpubertäre Zicken mit dem entsprechend nervigen Gehabe, Kettenraucher, völlig abgefahrene Genießer der heute üblichen Vollversorgung, denen das Wort "Danke" erst bei materiellen Werten oberhalb 200 Euro über die Lippen kommt - eben alles, was Gesellschaft und Elternhaus so produzieren. Aber es sind auch die anderen da, junge Menschen, höflich und hilfsbereit, mit Spaß an einem solchen Projekt, auch wenn es dann und wann wenig attraktive Aufgaben zu erledigen gibt, motiviert und einsatzfreudig (auch wenn es ums schnelle Spülen "mal so eben" vor dem Frühstück geht), fröhliche Kinder eigentlich an der Schwelle zum Erwachsensein, die sich über viele Dinge ernsthaft den Kopf zerbrechen und mit denen sich trefflich über Gott und die Welt diskutieren lässt - will sagen: Eine solche Gruppe ist immer das Abbild der Gesellschaft und daher muss man als Lehrer entscheiden, ob man es mit "diesem" Ausschnitt eine Woche lang auf engem Raum aushalten will und kann.


Kleine schöne Erlebnisse am Rande - nachts am Strand

Dazu kommt die grundsätzliche Überlegung, ob man in einer Zeit, in der durch Einsparungen immer mehr Kosten auf Lehrer abgewälzt und ihnen immer mehr Arbeit zugemutet wird bei gleichzeitiger unverholener Schuldzuweisung an Fehlentwicklungen der Jugend überhaupt Dinge tun soll, die zeitlich derartig belasten wie eine Klassenfahrt. Und das ohne jede Bezahlung - noch viel besser: Lehrer müssen den Großteil der Kosten selbst übernehmen, müssen vor Genehmigung der Fahrt sogar per Unterschrift auf die ihnen zustehende Erstattung verzichten! Keiner unserer Vorgesetzten und erst recht kein Verantwortlicher auf politischer Ebene würde eine Dienstreise ohne Reisekostenerstattung antreten - beim gemeinen Lehrer ist das Standard. Ich will mich nicht beklagen sondern nur deutlich aufzeigen: Selbstverständlich ist die Bereitschaft zu einer Klassenfahrt heute sicher nicht.

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