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Tremonia ist wieder auf "ihrem" Kanal unterwegs - von Dortmund nach Emden, nein, diesmal bringt uns der Dortmund-Ems-Kanal nur ins Münsterland, die Sonne sorgt für Urlaubsstimmung - so macht das Boot fahren Spaß. Herbstferien 2007, bevor die
Tremonia aus dem Wasser kommt ein letzter kleiner Ausflug. Es geht nach Münster, noch einmal zur
Großen Freiheit 26 und dann nach Castrop zum AMC, dieses Jahr mein Winterlager. Kinder, was für ein Wetter, fast Oktober und T-Shirt-Temperaturen. Aber das Jahr und vor allem: Der Sommer hat ja einiges gut zu machen! War das Wetter im Frühjahr zum Ostertörn phänomenal, so ließ sich die Erderwärmung in diesem Jahr nicht so wirklich bei uns spüren - der Sommer war zu nass und zu kühl. Natürlich gab es dennoch jede Menge Spaß, Wetter ist ja immer relativ, aber so richtig toll war es nicht - zu oft musste die Cabrio-Kappe geschlossen bleiben.
Lippeüberführung - das bleibt noch eine Baustelle für Jahre. Ein Trog ist fertig und kann befahren werden, vom zweiten Trog sieht man bisher kaum etwas. Das dauert!
Aber man arbeitet mit Hochdruck an der Beseitigung dieses Nadelöhrs. Jede Menge Kräne und schweres Gerät erwecken den Eindruck, dass man es durchaus Ernst nimmt. Im Herbst 2005, vor ziemlich genau zwei Jahren, brach hier der Kanal durch, das Wasser ergoss sich in die Lippe und die Sicherheitstore mussten geschlossen werden. Heilloses Chaos auf Deutschlands Wasserstraßen war die Folge, die Binnenschiffe mussten riesige Umwege fahren. und als sei das noch nicht genug, ging auf der unteren Ems die Ilona-M auf Grund - so war auch dieser Weg versperrt. Schon vergessen? Alle Infos hier:
Dammbruch DEK und Ilona-M Havarie
Hier ist man schon erheblich weiter, denn an der Straßenunterführung Olfen bei Kilometer 26,783 benutzt der Verkehr schon den neuen Tunnel. Mit einer eleganten Kurve wird die Straße....
...in die neue Unterführung geführt. Oben auf Kanalniveau sieht man von dieser Querung gar nichts, allenfalls die Schilder deuten den "Straßendüker" an. Im Bild ist der Abzweig der neuen von der alten Straße gut zu erkennen.
Sperrtor Schlieker - seine Tage sind gezählt! Das schöne alte Bauwerk hält hier die Stellung am breiten Kanal und stellt dabei eine Engstelle dar - schließlich wurde es für einen ganz anderen Querschnitt gebaut. Aber es erfüllt seine Aufgabe immer noch, letztmalig musste es im Herbst 2005 in Aktion treten, als an der Lippeüberführung der Damm brach. Zwar zitterte man bis zuletzt um den Oldtimer, doch er hielt dem Wasserdruck stand, so konnte man auf das Schließen des modernen Sperrtores bei Lüdinghausen verzichten und der Schifffahrt Umlademöglichkeiten in Lüdinghausen bieten. Doch langfristig wird das Sperrtor Schlieker den Großmotorgüterschiffen weichen müssen.
Münsterland - der Herbst kündigt sich an - ganz leicht zeigen sich erste Herbstfarben, von der Sonne sanft unterstrichen. Glück gehabt, mal wieder ein Sonnenwochenende, nach dem Katastrophensommer 2007 haben wir uns das auch eigentlich verdient. Zwar sind die Nächte schon recht kühl, das Quecksilber fällt deutlich unter die 10-Grad-Marke (Der Alkohol natürlich auch und was auch immer Steigrohr und Vorratsbehälter der klassischen Temperaturmesser füllt) aber sobald die Sonne den Morgennebel durchdrungen hat wird es angenehm warm. Altweibersommer, so richtig schön!
Eine kleine Wassermusik - Ute hat ihre Alt-Flöte mit an Bord. Unterwegs kann man ungestört üben, niemand hört zu und das sonore Brummeln des VETUS deckt jede Ungenauigkeit gnädig zu - wobei - eigentlich gibt es da nichts zuzudecken. Natürlich darf nur die zweite Garde der Flöten mit an Bord, Erfahrungswerte über den Einfluss der Luftfeuchtigkeit liegen uns noch nicht vor, daher bleiben die richtig guten Instrumente an Land.
Der Hafen Münster kündigt sich an - auf 11 Uhr ein neuer Anleger für Sportboote - der Kanal schwenkt nach rechts in Richtung Stadthafen. Große Speicher stehen am Ufer, zum Teil sind sie aufwändig bemalt. Auch unter den Brücken finden sich schöne Bilder - Augen auf!
Abendsonne am Medienkai - Münster hat die Zeichen der Zeit erkannt, im alten Hafenareal ist neues Leben eingezogen. Vor allem am Wochenende tobt hier der Bär! Das Ufer ist neu gestaltet worden - leider hat man an der unbefriedigenden Situation für die Boots-Szene nichts geändert: Zu wenig Poller bzw. Ringe, um Sportboote halbwegs sachgerecht festmachen zu können. Man muss immer sehen, dass man eine Leiter mit dazu nimmt um zwei Punkte zur verlässlichen Stabilisierung des Bootes zur Verfügung zu haben.
Große Freiheit 26 - mein Lieblingslokal am Medienkai - schöne Speisekarte, viele Fischgerichte und guter Service, es macht Spaß hier zu essen. Wir sind zum Abendessen mit der Tremonia vorgefahren. Mein Tipp: Omas Fischpfanne, in einer Guss-Eisen-Pfanne serviert, mit klassischen Bratkartoffeln und frischem Salat - ein echter Schmaus, für Auge und Gaumen! Ich liege oft auch in der Nacht vor dem Lokal, doch im Sommer ist es selbst mir hier zu laut, da das Nachtleben erst gegen 2 bis 3 Uhr ein Ende findet. Kühle Abende in Frühjahr und Herbst enden aber deutlich früher. Die Atmosphäre ist auf jeden Fall klasse!
Aber das Problem ist leicht zu lösen, denn in knapp 20 Minuten ist man am Sportbootanleger an der Schleuse Münster, dort liegt man zwar direkt an der vielbelaufenen Jogger- und Fahrradmagistrale Münsters, doch es ist trotz (oder wegen) der nahen Schleuse ein ruhiger Liegeplatz. Und man kann den Liegeplatz auch bei Dunkelheit gut erreichen, denn es geht durch den ruhigen Kanalabschnitt zur Schleuse - da ist ein Scheinwerfer nicht zu verachten - am Liegeplatz selbst ist genügend Licht vorhanden. Also: Den Abend dort genießen, wo das pralle Leben tobt, schlafen besser da, wo Ruhe garantiert ist!
Rückfahrt, nächster Tag, und wieder ein echtes Super-Wetter. Das Wasser glitzert auf dem ausgebauten DEK, der hier in der Kurve eine enorme Breite erreicht. Immerhin sollen sich auch hier die 180m-Schubverbände ohne Probleme begegnen können - und dazu braucht es schon ein paar Meter.
Gegenschuss ohne Gegenlicht - da haben dann die Farben eine Chance. Die wären zwar in drei Wochen noch schöner, noch wärmer, noch kräftiger - aber wir sind jetzt hier, also freuen wir uns jetzt über die Herbstfarben so wie sie sich im Augenblick präsentieren.
Gasthaus Peters mit eigenem Anleger - auf der Rückfahrt in Lüdinghausen eine gute Adresse, allerdings kein billiger Jakob, denn für die acht Meter sechzig der Tremonia werden locker 8 Euro 60 verlangt - trotzdem schön hier zu liegen. Natürlich kann man bei Peters gut essen, Wild, Fisch und sonntags ein schönes Küchenbüfett - immer einen Tagesausflug wert.
Peters liegt an der Eisenbahnbrücke über dem Kanal, einer ziemlich einmaligen Brücke, denn der Kasten hat einen dreieckigen Zuschnitt - eine etwas eigenwillige Konstruktion mit hohem Wiedererkennungswert. Aber - wie lange Peters noch mit der stilisierten Brücke auf seinen Druckstücken werben kann ist fraglich, denn alles deutet darauf hin, dass auch dieses Bauwerk fallen wird. Schon lange nicht mehr gestrichen liegt es mitten in der Baustelle - der Kanal wird breiter und damit muss auch eine längere Brücke her. Wahrscheinlich wieder ein 08-15-Teil wie an allen anderen Stellen. Das wäre wirklich schade, wenn auch diese charakteristische Brücke einem gesichtslosen Schlichtbauwerk moderner Prägung weichen müsste - doch genau das steht zu befürchten!
Konvoifahrt - wieder jagt eine Engstelle die nächste - zwei Frachter laufen vor mir. Nach dem unschönen Erlebnis bei der Rückfahrt aus dem Sommerurlaub lasse ich Abstand, jede Menge Abstand - jedenfalls so lange es geht.
Doch es geht eben nicht lange - Talfahrer kündigen sich an, wir müssen aufstoppen und ich muss ran, ran an die Dicken, es ist nicht beliebig viel Platz zum Begegnen. Wann kommen sie denn endlich die angekündigten beiden Entgegenkommer?
Wie das eben so ist - ist die Fahrt raus ist der Kurs gegessen. Die Ariela aus Zwolle treibt quer und auch ich werde ohne laufenden Propeller zum Spielball des Windes. Wo bleiben die denn? Jede Minute wird es unangenehmer, nicht dramatisch aber unangenehm. Immer diese Engstellen - im nächsten Jahr sind sie hoffentlich hier fertig!
Blick zurück in die farbenfrohe Baustelle - jede Menge Technik für den neuen Kanal. Im nächsten Jahr werden die Arbeiter an anderen Stellen Engstellen schaffen, der DEK ist lang und überall zwischendurch hat er noch den alten Querschnitt, überall gibt es noch Brücken, die zu ersetzen sind, überall gibt es noch "Nasen" und anderen Überbleibsel, die beseitigt werden müssen. Das wird uns noch Jahre begleiten. Aber immerhin sind schon viele Kilometer ausgebaut und fertig - und dabei immer auch mit Sportbootanlegern. Wer also will (und das wellenmäßig abkann) darf demnächst am DEK an vielen Stellen anlegen und übernachten.
Endlich, die Andromeda aus Decin eröffnet den Reigen, danach kommt die Dialasa aus Gent. Und dann können wir. Endlich!
Eng, sogar ganz schön eng ist es hier - wieder die bewährte Bauweise: Neue Spundwand irgendwo am Wald gesetzt, dann den Bereich zwischen alter und neuer Wand ausgehoben bei kombiniertem Abtransport über Land und Wasser und zuletzt die alte Spundwand gezogen - fertig ist der neue Querschnitt! So einfach geht das.
Ja lüg´ ich denn - ist das nicht - klar, eine Telefonzelle der Deutschen Post, eine richtig schöne alte Telefonzelle aus einer (guten?) (alten?) Zeit, als die Farbe GELB noch für Zuverlässigkeit und hohe Preise eines Staatsmonopolisten stand. Und so was steht hier auf dem Ponton - sicher keine Maßnahme sozialer Art in Sachen Familienpflege der stets an irgend einem Kanalstück beschäftigten Mitarbeiter - vielleicht eine billige Möglichkeit, die Steuereinrichtungen der Maschine wettergeschützt unter zu bringen. Wahrscheinlich billig bei eBay ersteigert...
Kleiner Abstecher zur Zeche Waltrop - vom Hafen Waltrop aus eine schöne Radtour. 1903 wurde hier mit dem Abteufen begonnen, 1914 schufteten hier 1.200 Kumpel. Die Kohle wurde zur Versorgung der Kaiserlichen Flotte und für die Eisenbahn dringend gebraucht. Besetzung durch die Franzosen, Kapp-Putsch, Wirtschaftskrise in den Zwanzigern - alles das ging nicht spurlos am Pütt und seiner Gesellschaft, der Hibernia AG vorüber. Oft gerieten die Bergarbeiterfamilien in große Notlagen. Die wunderschönen Jugendstilbauten sind noch heute eine echte Augen-Freude, 1988 wurde die Grube unter Denkmalschutz gestellt und sorgsam restauriert! In der Maschinenhalle standen die großen Zwillingstandem-Dampfmaschinen, Mit einem Druck von 13 bar zischte der 320 Grad heiße Dampf in die Zylinder. Eine davon wurde noch 1979 eingesetzt, als man alles, was noch irgendwie brauchbar war, wieder ans Tageslicht brachte ("Ausraubung") - sie war damals die älteste in Betrieb befindliche Dampfmaschine!
Liegt mitten drin - von allen Yachthäfen in der Umgebung (Henrichenburg, Waltrop, Rünthe) per Fahrrad gut zu erreichen, wobei es von Rünthe aus schon eine kleine Gewalttour wird (21km) - doch dieses Zeche ist auf jeden Fall einen Besuch wert. 1957 haben hier 2.817 Mitarbeiter gearbeitet, als die Grube geschlossen wurde, am 29.6.1979, waren es immerhin noch 1.294 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren.
Und sei es nur, um bei Manufactum zu kaufen oder besser zu schauen - da gibt es vieles, was es sonst schon lange nicht mehr gibt, ein Laden, bei dem einem Heimwerker mit Sammelinstinkt (Bei mir z.B.) schon manchmal die Luft weg bleibt - ob der tollen Sachen und leider auch ob des Preises - auf jeden Fall kein Billigheimer, auf jeden Fall aber ein Erlebnis in den alten Hallen. Und gut essen kann man hier auch!
Hier geht es zu Manufactum
Ganz exotisch und ziemlich spektakulär: Der Spurlattenturm! Für die Menschen, die nicht so mit dem Pott, seinen Zechen und ihrer Technik verwachsen sind: Der Förderkorb wird bei seiner Fahrt in die Tiefe (und auch wieder zurück ans Tageslicht: Glück Auf) durch massive Holzbalken in der Spur gehalten und diese Balken nennt man in liebenswerter Untertreibung "Spurlatten". Aus den Spurlatten des Schachtes Waltrop ist dann der Spurlatten-Turm entstanden, der einen tollen Blick ermöglicht!
Up up and away - hier geht es in die Höhe, ein Aufstieg, der sich lohnt, denn er lässt en Blick schweifen...
...in die filigrane Konstruktion...
...und auf das ehemaligen Zechengelände. Von links das Quadrat ist die große Platte, die den Schacht abdeckt. Hier stand früher der Förderturm von Schacht I. Bis auf 792-Meter ging es hinunter. Die Grube war immer durch Wasser gefährdet. Schon in den ersten Jahren musste man nach einem verheerenden Wassereinbruch mehrere Jahre pumpen ehe es weiter ging mit der Kohleförderung. Ein Jagdbomberangriff kurz vor Kriegsende im März 1945 zerstörte einen großen Teil der Technik, die Grube wäre beinahe abgesoffen. Die Ziegel waren übrigens selbst gebrannt. Ein eigener Ziegelofen auf dem Gelände produzierte das Baumaterial für die Hallen und, viel wichtiger, für die vielen Zechenhäuser in den umliegenden Siedlungen. Denn wie jeder Pütt hatte auch dieser eigene Arbeitersiedlungen in direkter Umgebung.
Und noch eine ehemalige Zeche kommt ins Bild: Zeche Minister Achenbach in Lünen-Brambauer, Schacht IV, kein Geringerer als Luigi Colani hat hier 1995 auf das Strebengerüst des Förderturms, Bauart Klönne, einen colani-typischen Aufsatz gesetzt, heute Landmarke für den Technologiepark Lünen. 1896 entstand diese Schachtanlage aus der Zusammenlegung der Bergwerke Friede und Achenbach - 1992 musste auch diese Zechen geschlossen werden.
Am Fuß des Spurlattenturmes noch ein Recycling-Produkt, die "ziemlich" stabile Treppe aus Schienenstücken der ehemaligen Zechenbahn führt von der Halde herunter.
Weil´s so schön war noch einmal ein Blick vom Turm - besser: Aus dem Turm - in Richtung Zeche hinunter zum Platz von Schacht I. Schade, dass der Förderturm nicht erhalten werden konnte, der fehlt hier! Dann geht es wieder zurück aufs Wasser, Kurs West, noch einmal nach Oberhausen, die letzten tage gehören dem Ruhrgebiet, gehören dem Rhein-Herne-Kanal.
Weiter geht es - immer noch DEK, aber kurz vorm großen Knick in Richtung Dortmund. Ein Riesenturm entsteht am Ufer. E-on baut hier das weltweit größte Monoblock-Steinkohlekraftwerk. 1,1MW Leistung soll es brutto bringen, dazu wird es 360 Tonnen Steinkohle stündlich verheizen! 1,2 Mia Euro investiert der Energieriese in seinen Neubau. Die alten Blöcke 1-3 (andere Seite des Kanals) sowie die Kraftwerke Scholven (Gelsenkirchen) und Shamrock (Herne) können nach Fertigstellung abgeschaltet werden. Zwar wird hier durch einen relativ hohen Wirkungsgrad von 45,5% weniger Kohlendioxid frei als bei den Altanlagen, doch bemängeln Umweltschützer, dass überhaupt neue Kohleblöcke gebaut werden. Außerdem werden hier auch Industrieabfälle und Müll verbrannt, durch die Größe der Anlage in Mengen, die weit über der Kapazität einer Müllverbrennungsanlage liegt. Auch andere Daten sind rekordverdächtig: Der Kühlturm soll 180 Meter hoch werden, "de Dom" (in Kölle) misst dagegen nur bescheidene 145 Meter.
Gelsenkirchen - hier entsteht die neue Marina - Graf Bismarck, früher Name der hier angesiedelten Zeche - wohnen und arbeiten am Wasser mit Marina - das wird an dieser Stelle ein echtes Highlight werden. Vorgestellt wurde diese Planung u.a. 2006 auf einer gemeinsamen Bootsfahrt der Ruhrgebietskommunen. Ab 2008 soll die Realisierung beginnen, 400 Mio. Euro werden investiert und insgesamt sollen hier sage und schreibe 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Sind wir mal gespannt, ob und wie schnell Gelsenkirchen diesen ehrgeizigen Plan in die Tat umsetzen kann.
Infos über Graf Bismarck (werden aktualisiert)
Blick aus dem Flugzeug: Der ehemalige Zechenhafen mit dem charakteristischen "Zipfel" im Westen. Von der Riesenzeche Graf Bismarck ist nichts mehr zu sehen, alles abgeräumt, Altlasten entsorgt - eine von hunderten ehemaliger Montanstandorten im Revier.
Blick in die Vergangenheit: 1970, Zeche Bismarck, Graf Otto von Bismarck war der Namensgeber dieser 1868 gegründeten Gewerkschaft. Der eigene Zechenhafen wurde 1914 eröffnet, in Spitzenzeiten waren auf diesem Pütt 7.000 Kumpels beschäftigt. Eigenes Kraftwerk und Kokerei kamen hinzu. 1967/68 wurde die Grube nach langen Protesten stillgelegt. Die Kumpels fuhren anderswo ein, bis auch dort die letzte Fahrt angeschlagen wurde. Ende, trauriges Ende eines Wirtschaftszweiges, der eine ganze Region prägte.
Blick in die Zukunft, eine neue schöne Welt - viele Hoffnungen sind mit dieser Fläche verbunden. Weg von zweistelligen Arbeitslosenzahlen, weg vom Trauma des Zechensterbens - Bismarck ist hier ein wichtiges Mosaiksteinchen. Das Revier hilft sich selbst wieder auf die Beine, nachdem der Motor des Wirtschaftswachstums nach dem Krieg gehörig aus dem Takt kam nun ein Neustart. Glück Auf!
Blick hinter die Linie - wohnen, arbeiten, shoppen, flanieren - so soll es mal im neuen Stadtteil aussehen.
Fotos: Stadt Gelsenkirchen, Wirtschaftsförderung - Vielen Dank!
Noch eine Baustelle: Stadthafen Recklinghausen, auch hier gibt es demnächst einen Sportbootanleger, seit Monaten wird gebaut. Die alte Hafenspundwand war total marode, musste erneuert werden. Zu teuer, also Flucht nach vorn: Sportboothafen (und anständig Fördergelder einsacken) uns soll es egal sein. Hier können wir in der nächsten Saison anlegen.
Andere Seite: Die hohen Spundwände sind einer sportboot-tauglichen Variante gewichen. Im Frühjahr werde ich den Hafen ausprobieren, bis dahin werden die ja wohl, oder?
Marina Oberhausen - Ralli kommt an Bord, er besucht mich und wir gehen zusammen ins CentrO eine "Kleinigkeit" essen. Wir entscheiden uns für den China-Mann - die Riesenportion Nudeln wird wird eher lieblos auf einen Teller geklatscht und, ganz neu, mit gerösteten Zwiebeln "verziert" - auf jeden Fall schmeckt es und macht so richtig satt. Mann, ich hatte ganz schön Hunger! Wir müssen mal reden, allein, unter Männern. Es gibt viel zu erzählen. Danach geht es auf den Kanal. Ralli ist sonst schnellere Wasserfahrzeuge gewohnt, trotzdem nimmt er auf dem Skippersitz der eher gemächlichen Tremonia Platz und macht gute Miene zum behäbigen Spiel. Wahrscheinlich fehlt ihm hier auch der richtige Sound, denn Rallis Boot ist Spitzenreiter auf der nach oben hin offenen Klangskala - dem Brabbeln seines V-8 hat das Brummeln meines VETUS nichts entgegen zu setzen.
Rot-Weiß-Oberhausen - Remis gegen Düsseldorf - 8.357 Zuschauer erwarten ein Fußballfest. Doch erst einmal müssen sie hineinkommen ins Niederrhein-Stadion. Wir beobachten das Gedrängel vom Wasser aus, denn das Niederrhein-Stadion der Kleeblätter liegt ja direkt am Ufer auf der berühmten Emscherinsel. Was die rot-weißen Fans noch nicht wissen: Trotz des Unentschiedens werden sie in wengien Stunden zufrieden nach Hause gehen - ein schönes Spiel wird ihre Mannschaft zeigen, engagiert, ideenreich und leidenschaftlich machen die Kleeblätter an diesem Abend viel Boden bei den Fans gut, die werden wiederkommen, obwohl es rings um das Stadion ein riesiges Verkehrschaos gibt - wir auf dem Kanal merken davon wenig.
Rückfahrt - Schubverband aus Tschechien, dahinter die Jolanda, ein niederländischer Leerfahrer, der gern überholen würde. Doch die nächste Engstelle liegt ziemlich dicht hinter der Schleuse Gelsenkirchen und der Schubverband ist froh, wieder in Fahrt zu sein, kann (und will) also nicht langsamer werden. So muss die leere Jolanda warten und zockelt hinter dem Schubverband her gen Oberhausen. Wir können in die Backbordkammer einlaufen.
Viel Mut hat dieses Team mit seinem Tretboot aus der Mülheim er Escargot-Flotte - weit weg vom Heimathafen läuft das Boot hier in eine richtige Großschleuse ein - trampeln müssen sie nicht, denn die Strampler verfügen ja über einen Elektromotor und für eine solche Gewalttour steht dann ein kleiner Generator auf dem Vordeck - da kann also eigentlich nichts passieren. Und das Paar an Bord macht sich ganz gut in der Schleuse, das Boot wird auf jeden Fall fachgerecht bedient und fest gemacht.
Viel Betrieb in den Häfen - der Wirtschaftsaufschwung ist bei der Binnenschifffahrt angekommen - gut so. Letztlich ist jede Tonne Fracht auf einem Binnenschiff ein echter Gewinn, auch und gerade für die Umwelt. Mit nur 1,3 Liter Diesel kann ein Binnenschiff eine Tonne einhundert Kilometer weit transportieren, die Bahn braucht dafür 1,7 - Kollege Brummi gut 4,1 L:iter.
Hausputz in Herne-Ost - werden hier die Poller poliert oder ist eine Reparatur nötig? Auf jeden Fall ist die Backbordkammer gesperrt, aber das ist heute kein Problem, es ist ziemlich ruhig. Zusammen mit der...
...Santa Monika aus Hamm bin ich allein in der Kammer. Da der zweite Schwimmpoller ausgebaut ist, nehme ich Nummer drei und liege dabei natürlich mitten in der Zone der stärksten Verwirrbelung, denn das Wasser kommt von unten und die Santa Monika besetzt die beiden letzten Schwimmpoller direkt am Tor.
Ende der Vorstellung - die Tremonia liegt im Hafen des AMC in Castrop-Rauxel. Hier will ich in diesem Jahr überwintern, doch der Hafen ist voll bis auf den letzten Platz. Immerhin kann ich noch zwischen zwei Dalben fest machen und muss so nicht nach Waltrop weiter - allein an Bord ist das natürlich nicht gerade erstrebenswert, doch alles klappt: Heckleinen über die beiden Dalben, provisorisch festmachen und dann gemütlich nach vorn austarieren. Bloß die Festmacher vorn sind weit weg, Ute hätte das locker geschafft mit dem Leinenwerfen - also gebe ich mir große Mühe - und es klappt auf Anhieb. Nach wenigen Minuten ist das Boot fest. Die nächsten Tage sind vorprogrammiert: Boot leer räumen, dann warm fahren, Öl wechseln und an den Kran, Frostschutz in den Kühlkreislauf und raus aus dem Wasser und ab auf den Bock - Winterlager!
Winterlager erstmals in Castrop-Rauxel beim AMC - Micky Schult befreit mich vom Altöl und macht den Service - Öl- und Filterwechsel. Danach kommt das Boot an den Haken - alles wie gehabt, diesmal am Strammen Max in Castrop.
Ich weiß noch, als dieses Monstrum aufgebaut wurde - bis dahin hatten die Castroper mit einem Autokran gekrant. Aber so ein Provisorium ist auf Dauer für einen großen Club mit großem Hafen natürlich nicht tragbar. Und folgerichtig wurde der Stramme Max installiert.
Hafenmeister Bernd Haskes (links) führt im Hafen ein strenges Regiment - das sieht und merkt man - alles ist in bester Ordnung, da bleibt nichts liegen und jeder kann sich darauf verlassen, dass der Laden läuft. Probleme? Fragen, nichts ist unmöglich!
Langsam und gefühlvoll wird die Tremonia auf den Bock gesetzt. Aufpallen ist immer Erfahrungssache, da darf nichts schief gehen. Was schlackert da links? Es ist die Dichtmasse des Wasseraufnehmers - muss ich mir gleich mal näher ansehen. Jetzt erst einmal das Boot gut auf den Bock bekommen.
Es geht dem Bewuchs an den Kragen, Hochdruckreiniger sind ein echter Segen für uns Bootsleute. Ratz Fatz ist der Rumpf sauber - allerdings offenbaren sich nun die Antifouling-Schadstellen. Dieses Jahr wird es mit dem Ausflicken nichts werden, da muss ein neuer Komplettanstrich her. Und die eine oder andere Stelle muss neu grundiert werden, da muss der Osmose-Schutz komplett neu aufgebaut werden - mindestens 6 Tage über 10 Grad...
Aber sonst sieht der Rumpf gut aus. Wie jedes Jahr pingelige Kontrolle, irgendwelche Blasen, Pickel, Erhebungen? Ich weiß nicht wie das bei euch ist, bei mir ist dann immer ein Adrenalin-Stoß fällig, wenn das Boot aus dem Wasser kommt. Alles im Lack, erste hektische Suche nach Auffälligkeiten am GfK - und bisher (Toi, toi, toi) immer alles ok