Das Ablegen klappt wieder super, trotz enger Lücke. Statt meine elektrischen Helferchen an Bug und Heck zu benutzen dampfe ich locker in die Achterspring ein und der Bug kommt mustergültig von der Kade los, dann ein kleiner Gasstoß mit gelegtem Ruder und die Tremonia ist frei. Wie sagt mein Lieblingskaleun an dieser Stelle? "Macht kein Radau" - ich hasse diese Skippper die selbst kleine Aufgaben nur mit kreischender Elektrounterstützung meistern können. Wer Boot fahren will sollte sich die Mühe machen, das Manövrieren zu lernen und zu üben. Schon zu Charter-Zeiten war das Wort "Bugstrahlruderbenutzer" bei uns an Bord in der nach unten offenen Verachtungsskala ziemlich tief gelegt. Klar hat auch die Tremonia eine Querschraube im Bug, sie hat sogar ein Heckstrahlruder - aber nur "für alle Fälle", dann wenn´s notwendig ist, wenn´s eine Macke erspart oder eine brenzlige Situation entschärft - aber nicht weil ich den Arsch nicht hochkriege und zu faul bin um eine Spring zu legen. Doch Schluss mit dem Philosophieren, jetzt müssen erst einmal die Fender rein.

Und dann geht es durch die Lemmerbrug am Waterpoort und da ich allein an Bord bin muss ich auch alles allein machen. Sonst steht Ute immer auf dem Vordeck um dem Brückenwärter den Holzchuh zu füllen, das gehört nun auch zu meinen Aufgaben. Bei engen Brücken ist das immer ziemlich blöd, gerade in dem Augenblick wo das Boot durchgeht muss man den tieffliegenden Klompen fangen, das passend abgezählte Kleingeld implizieren - dazu braucht man beide Hände - und dann das Geschoss auch noch auf die richtige Bahn für den Heimflug bringen. Und nebenbei das Boot steuern. Ist so ungefähr als würde man bei starkem Verkehr rückwärts in eine enge Lücke einparken und ein netter Zeitgenosse wirft einem einen Tennisball durchs geöffnete Seitenfenster den man mit einer Plecke zurückschlagen muss ohne das Auto anzuhalten. Was lehrt uns das? Bootfahren ist eben ein Extremsport und mit einem eingespielten Partner an der Seite sind diese typischen Boots-Probleme des Lebens leichter zu meistern - und nebenbei macht es auch noch mehr Spaß.

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