Berlin - Sommertörn 2012

Etappe 4: Durchs Havelland - des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse
Über die Potsdamer Havel nach Berlin

Interessant natürlich: Einsteins Sommerhaus! Hier in Caputh hat er sich niedergelassen und weilte weit öfter hier als es einem Sommerhaus zukommt. Mag daran gelegen haben dass er auch Segler war und sein Boot bestens geeignet war für die Seen rund um den Ort. Nach vielen Wirrungen (er sollte ein Grundstück geschenkt bekommen) ist er lieber selbst tätig geworden und damit der antisemitisch geprägten Diskussion um den Schenkungsplan entgangen. Hier hat er gelebt. Das Haus ist sehr spartanisch einegerichtet - eigentlich ist es leer - und es soll bewusst kein Museum sein sondern Tagungs- und Begegnungsort. Ein Wunsch Einsteins. Gott würfelt nicht - hat er mal gesagt. Und dennoch kam es ihm, dem großen Pazifisten zu, den amerikanischen Presidenten Franklin D. Roosevelt davon zu überzeugen, das Startsignal zum Bau der Atombombe zu geben. Um Nazi-Deutschland zuvor zu kommen. Als sie dann fertig war hatte Deutschland zum Glück bereits kapituliert und statt Essen und Berlin (oder einer anderen Kombination) gab es dann Hiroshima und Nagasaki, die Bombe wurde gegen das kapitulationsreif geschossene Japan eingesetzt. Sein Protest dagegen konnte sich nicht durchsetzen.

Im Arbeitszimmer nur der (nachgebaute) Schreibtisch und der schöne Blick in den Garten. Irre in den Räumen zu sein in denen der für mich wichtigste Physiker der Neuzeit gelebt hat. Einstein hat mich immer fasziniert, lag natürlich an meinen Dozenten denn wer bei dem genialen Gespann Nachtigall-Siemsen Physik lernen durfte ist von Einstein nie wieder losgelassen worden. Was waren das für herrliche Diskussionen über die Zeitdilatation, die wahnwitzigen Erklärungsbeispiele, beeinflusst durch die Bücher von Georgi Antonowitsch Gamow, kurz George Gamow - die besten Lehrstunden meines Lebens.

Schön hat er´s hier gehabt in Caputh. 1932 verließ er Deutschland und Caputh, ihm war früh klar wohin die Reise in Deutschland gehen würde und so entging er dem Schicksal von Millionen Juden. Sein Haus wurde als jüdisches Kinderheim genutzt, war lange Zeit Quartier von Nazi-Jugendorganisationen und wurde nach dem Kreig von der Akademie der Wissenschaften 1979 zu einem Museum umgebaut. 2004 wurde das Haus erneut renoviert und bis auf den bereits vorhandenen Schreibtisch vermied man jeden Nachbau. Vorhandenes wurde frei gelegt und das war es. Wer die Atmosphäre aus Einsteins Tagen wieder finden will wird hier enttäuscht - aber so hat es es gewollt.

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