Berlin - Sommertörn 2012

Etappe 5: Berlin und umliegende Dörfer

Jungfernbrücke über den Spreekanal - älteste erhaltene Brücke Berlins, einzige von ursprünglich neun baugleichen Spreegassenbrücken die Kurfürst Friedrich Wilhelm bauen ließ. In den Jahrhunderten wurde sie mehrfach umgebaut und angepasst, bis heute ist ihr Erscheinungsbild mit Spillrädern und Bogenkästen gleich geblieben. Um den Namen ranken sich viele Gerüchte. Angeblich mussten Bräute nach der Hochzeit über die Brücke gehen, knarrten die Bohlen wurde die Jungfräulichkeit angezweifelt. Da allgemein bekannt war dass die Bohlen immer knarrten mehr ein Spaßprogrammpunkt am Hochzeitstag.

Direkt um die Ecke der Berliner Dom, früher spiegelte sich der Turm in den hohen Glasscheiben des Republikpalastes, heute steht er frei und ein große Wiese mitten in der Stadt harrt ihrer neuen Verwendung. Ich habe die letzten Phasen des Palastes der Republik allesamt mitbekommen. Bei unserer ersten Bootsfahrt nach Berlin stand er noch, war aber schon gesperrt wegen der Asbestfunde. Beim zweiten Mal wurde er gerade abgerissen und nun ist nichts mehr davon zu sehen. Eigentlich schade, war ein sehenswertes Gebilde, der Palazzo Prozzo sagte viel über das Selbstverständnis der herrschenden Klasse der DDR aus - kann man das so sagen? Eigentlich gibt es ja im Sozialismus keine herrschende Klasse - egal. Erichs Lampenladen war auf seine Weise schön. Das letzte Mal war ich 1987 da, Klassenfahrt, wir wollten essen. Das große Restaurant leer, alles "reserviert", ein 20-DM-Schein zauberte dann doch ein Lächeln auf das Gesicht des Kellners und 30 freie Plätze und wir bekamen für etwa 8,52 Ostmark ein komplettes Dreigang-Menü mit Getränken- vorbei, tabula rasa, der Ballast der Republik ist endgültig Vergangenheit. Nun soll hier das Stadtschloss wieder auferstehen. Der erste Bau entstand 1443 an der Cölnner Seite der Doppelstadt, Kurfürst Friedrich II. legte den Grundsteine. Alle seine Nachfolger haben an- und umgebaut, u.a. war auch Schinkel als Architekt beteiligt. Große Politik machte es am 9. November 1918, da rief Karl Liebknecht vom Balkon des Schlosses die "freie sozialistische Republik" aus. Im Frühjahr 1945 schwer bei einem Bombenangriff getroffen gab es dennoch nach dem Krieg erste Ausstellungen, etwa 1946 eine Schau des Architekten Hans Scharoun zu den Wiederaufbau-Planungen Berlins. Walter Ulbricht war es der das ungeliebte Bauwerk sprengen ließ - am 7.9.1950 war das Stadtschloss Geschichte. Danach wurde die Fläche für Aufmärsche genutzt, erst 1976 wurde der Republik-Palast eröffnet. Er wurde noch zu DDR-Zeiten wegen der hohen Asbest-Belastung geschlossen, später abgerissen und nun soll hier das Stadtschloss neu entstehen. In der großen "Humboldt-Box" kann man sich ein Bild von den Planungen machen.

Ute entdeckt unweit ein kleines Idyll am Rande des Spreekanals. Die Berliner sind ja groß im "Lücke-finden" und hier hat jemand seine persönliche Lücke gefunden. Ein kleiner Ort zum Verweilen mit Schaukel und Grill und zwei Liegestühlen auf ein paar Quadratmeter Grün am Fuße einer Brücke - Herz was willst du mehr?

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