Berlin - Sommertörn 2012

Etappe 5: Berlin und umliegende Dörfer

Schon mal unterwegs in West-Berlin gibt es einen kleinen Abstecher: Flughafen Tempelhof - eine meiner ersten Berlin-Erinnerungen, der Anflug zwischen den Häusern, man konnte in die Zimmer hineinsehen. Für die Menschen muss das schrecklich gewesen sein, auch wenn Berlin sicher immer eine besondere Nähe zum Flugverkehr hatte. Für BER, den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg hat es gerade ein Gerichtsurteil gegeben in Sachen Lärmschutz. Es wird der im Planfeststellungsbeschluss vorgesehene Lärmschutz garantiert, auch wenn das richtig teuer wird. Der Regierende Bürgermeister hat den beschlossenen Geräuschpegel in den Wohnungen als "Tonstudio-Qualität" verspottet - davon waren die Anwohner von Tempelhof meilenweit entfernt. 140 Millionen hatte man für den Lärmschutz eingeplant, die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses, nun gerichtlich bestätigt, fordern satte 591 Millionen mehr - den vierfachen Betrag, oben drauf! Und das wo ohnehin niemand weiß wie man BER finanzieren soll. So plant nur Berlin. Wie sagte der Regierende? "Wir sind arm aber sexy" - der Steuerzahler wird es schon richten, denn natürlich wollen wir alle dass unsere Hauptstadt so richtig sexy ist...

Zentralflughafen Tempelhof - mitten in der Stadt - kann man sich heute kaum noch vorstellen dass hier mal der Flugverkehr einer Millionenstadt abgewickelt wurde. Aber er ist schon lange still gelegt, Schönefeld und Tegel haben seine Aufgaben übernommen, bald kommt BER - im Augenblick wird aber gerade der Untersuchungsausschuss eingerichtet der alle Planungspannen von BER aufarbeiten soll. Inzwischen klagt der Flughafen selbst gegen einen seiner Gesellschafter, das Land Brandenburg. Von dort kommen weitreichende Forderungen in Sachen Lärmschutz. Hat sich was mit sexy!

DAS war er, der Rosinenbomber: Die viermotorige Douglas C-54 Skymaster. Diese Flugzeug trug die Hauptlast der Transporte während der Luftbrücke, und das waren nicht Rosinen, das waren hauptsächlich Briketts. Der Bomber aus dem die Rosinen fielen war allerdings die viel kleinere DC-3 von Gail Halvorsen, der Süßigkeiten mit selbstgebastelten Fallschirmen für die vielen winkenden Kinder am Boden abwarf. Über Tempelhof und den aus dem Boden gestampften Flughafen Tegel wurden die Millionestadt aus der Luft versorgt. Vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 blockierten die Sowjets die Zugangswege und wollten Berlin aushungern - doch da reifte die Wahnsinnsidee der Luftbrücke. Schaffte man anfangs 750 Tonnen pro Tag so konnten durch Optimierungen später erheblich mehr eingeflogen werden. Vom 15. zum 16. April 1949 schaffte man innerhalb von 24 Stunden 12.849 Tonnen Fracht mit 1.398 Flügen nach Berlin! 33% der Flüge wickelten die Briten ab. Über die drei Luftkorridore wurde im Einbahnstraßensystem der nicht abreißende Strom der Flugzeuge nach Berlin geführt. Wer die Landung versemmelte musste durchstarten und zurück fliegen, der nächste war direkt hinter ihm. Das alles lief trotz der sowjetischen Störaktionen, man blendete die Flugzeuge mit Flak-Scheinwerfern und in den Randbereichen der Luftkorridore gab es sogar Flak-Beschuss. Fast 280.000 Flüge wurden so abgewickelt, durch mehrere Unfälle starben 39 Briten, 31 US-Amerikaner und 13 Deutsche.


Quelle: Wikipedia

Die Namen der Toten findet man im Sockel des Luftbrückendenkmals - die Berliner nennen es respektlos Hungerharke. Ach fast vergessen: Dass ich während dieses Törns noch eine leibhaftige DC-3 Dakota sehen werde, fliegend, ahne ich jetzt noch nicht - das kommt etwas später....

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