Corona-Sommer Nummer ZWEI

Etappe 3: Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin - Teil 2 - Fahrtag 9

Dann scheiden sich die Geister: bei Kilometer 33 kommt der Göttinsee. Hier hat man mit einer Mole das Fahrwasser Richtung Potsdam - die Potsdamer Havel - abgetrennt. Außerdem zweigt an dieser Stelle der berühmte Havelkanal ab. Er wurde von der DDR gebaut, um den innerstaatlichen Schiffsverkehr um West-Berlin herumzulenken. Quasi im Vorgifff auf den antiimperialistischen Schutzwall, also die Mauer, die ja niemand zu bauen jemals beabsichtigte. Letztere konnte den Landverkehr kontrollieren und die Republikflucht weitgehend verhindern, durch den Havelkanal mussten die DDR-Schiffe nicht mehr mitten durch den dekadenten Westteil der Stadt fahren und der Schiffsverkehr konnte trotz des späteren Mauerbaus ungehindert laufen. Der Friedenskanal wurde aus dem Boden gestampft, in des Wortes bester Bedeutung. Man baute mit baubegleitender Planung, es war beim ersten Spatenstich als noch gar nicht klar, wie er am Ende tatsächlich aussehen sollte. Die Brücken wurden aus dem Altmaterial gesprengter Überführungen als einfache Zweifelderbrücken zusammen gebaut, zur Uferbefestigung diente der Schutt aus der Hauptstadt. Die VEBs mussten Teile der Arbeiten übernehmen, ungelernte Arbeitskräfte in völlig neuem Metier, dazu noch mit veralteten Baumaschinen. Aber allen Widernissen zum Totz: man schaffte es in Rekordzeit, die Umgehung fertig zu stellen. Offizielle Begründung: Verkürzung der Verbindung von Havel und Oder, Durchlass für größere Schiffe. Damals war die Schleuse Spandau ein Nadelöhr, der Ausbau aber schon in Planung. Man kann immer nur staunen über die vielen Groß-Projekte, die angesichts von Rohstoff- und Devisenmangel in der DDR realisiert wurden, etwa der Hafen Mukran oder der Pallast der Republik oder auch die Grenzbefestigung. Was die Partei wollte, wurde auch gemacht. Die Menschen mussten teilweise "freiwillig" zur Schaufel greifen. Vorbei. Zurück zum Havelkanal, ich bin einmal durchgefahren, eine Schleuse, ansonsten wenig "Gegend", durch den hohen Bewuchs an den Ufern ist er eher langweilig. Aber man ist tatsächlich schnell durch, wer Berlin als Stadt nicht braucht und weiter in den Osten will, ist hier auf dem richtigen Weg.

Blick von der Potsdamer Havel auf den Göttinsee - gegen die Sonne.

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