Der Havelkanal

Im April 1951 beschloß der damalige Ministerrat der DDR den Bau des "Friedenskanals", weil die DDR sich mit ihrem Schiffsverkehr von den Gewässern in West-Berlin unabhängig machen wollte, die immer schwieriger werdende Lage im geteilten Deutschland zwang dazu - oder sollte man im Rückblick sagen: Die DDR schuf damit die Möglichkeit, Westberlin vom Umland vollständig zu trennen, ohne eigene Interessen wie etwa einen ungehinderten Schiffsverkehr zu verletzten?

Nach nur 13 Monaten Bauzeit wurde der Kanal im Juni 1952 dem Verkehr übergeben. Er ist somit Produkt der deutschen Teilung. Aus Kostengründen wurde er nur mit einer Schleuse versehen, der Wasserstand ist daher von der Havel ober- und unterhalb der Schleuse abhängig - Hochwasserdämme waren daher unausweichlich, entsprechend schlecht ist die Sicht auf die Umgebung.

Der Havelkanal mündet bei Paretz (km 32,5 UHW) in die Untere-Havel-Wasserstraße. Der 35 Kilometer lange Kanal (eine Schleuse bei Schönwalde) ist eine wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Havel-Oder-Wasserstraße (Abzweig bei km 10,4 HOW) und der Unteren Havel. Fließrichtung dieser Berliner West-Umgehung ist von Nord nach Süd, die Kilometrierung erfolgt in der gleichen Richtung. Zulässige Tauchtiefe ist 2 m. Niedrigste Brücke ist die Straßenbrücke Schönwalde mit einer Durchfahrtshöhe von 4,50 m, zulässige Höchstgeschwindigkeit für Sportboote 8 km/h, er herrscht Segelverbot. Mit einer Wasserspiegelbreite von knapp über 34 Metern ist der Havelkanal ein recht schmales Gewässer. Das bedeutet, daß das Überholen von Berufsschiffen fast unmöglich ist, und beim Begegnungsverkehr sehr aufmerksam gefahren werden muß. Die alten Brücken sind zudem meist mit einem Mittelpfeiler versehen.

Im Zuge der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit arbeitet man an einer Anpassung und Modernisierung. So sind bereits viele Brücken ersetzt worden, die neue Bauwerke zeigen auch bereits die spätere Kanalbreite, am betonnten Fahrwasser unter der Brücke ist der alte Querschnitt im Vergleich zum geplanten zu erkennen.

Große Schubverbände haben bei den alten Doppeljochbrücken die üblichen Probleme. Die fast 10 Meter breiten Fahrzeuge (9,99 Meter exakt) müssen sich durch die kaum mehr als 13 Meter schmalen Durchfahrten quetschen. Hier schiebt die "Nicole" aus Henningsdorf drei mit Schrott beladene Leichter bei Kilometer 29 in Richtung Untere Havel Wasserstraße - gut 110 Meter misst der gesamte Verband.

Die einzige Schleuse liegt in Schönwalde, hier wird ein Höhenunterschied von gerade mal 2 Metern überwunden. Geschleust wird zur vollen Stunde oder gemeinsam mit der Berufsschifffahrt, ein Anlegesteg für Sportboote ist beidseitig vorhanden.

Die Fahrt durch den Havelkanal ist eher langweilig, es gibt nichts zu sehen und die Höchstegschwindigkeit beträgt 9km/h - das zieht die 36 Kilometer gewaltig in die Länge. Dennoch ist er nicht ohne Schönheit - lange Baumreihen begleiten ihn und an mehreren Stellen regt sich mittlerweile maritimes Leben. Kurz vor der Mündung in die Spree-Oder-Wasserstraße ist sogar eine Siedlung nach niederländischen Vorbild entstanden: Liegeplätze am Haus, Zugbrücke und das Restaurant "Skipper" machen sich gut. Leider kann man nicht anlegen als Durchreisender.

Das ist überhaupt das Problem am Havelkanal: Es gibt kaum eine Stelle zum Festmachen für eine Pause oder einen kleinen Landgang. Da bliebt zu hoffen, dass bei der Verbreiterung hier eine Verbesserung eintritt, zumal sich dann auch Sog und Wellenschlag der Berufsschifffahrt reduzieren werde, denn Schiffe wie dieser Breslauer Maßkahn produzieren im schmalen Kanalbett auch bei 9km/h eine beachtliche Welle, zum Liegen am Fahrwasser keine guten Voraussetzungen.

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