Palast der Republik

"Erichs Lampenladen" - so nennt ihn der Volksmund völlig respektlos aber treffend - nachts machte es früher durchaus diesen Eindruck. Weitere "offizielle" Namen waren Palazzo Protzo" oder auch "Ballast der Republik", denn er war schon immer teuer - beim Bau und erst recht nach der Wende - hochgradig Asbest-verseucht und von Betonschäden gezeichnet gammelte er lange vor sich hin. Ein tragbares Nutzungs-Konzept konnte nicht gefunden werden, so fiel denn im November 2003 der Beschluss, ihn abzureißen. Das Stadtschloss, das früher hier gestanden hat und das Ende 1950 gesprengt wurde, soll wieder aufgebaut werden. Nur das Geld fehlt, als Zwischenlösung ist - eine Grünanlage vorgesehen!

Die Geschichte des Gebäudes: Nicht zufällig steht der "Palast der Republik" auf dem Gelände, auf dem bis 1918 die Hohenzollern residierten. Mit der Sprengung des Schlosses ab dem 7. September 1950 und mit dem Bau eines "Palastes" versuchte sich die DDR demonstrativ über eine jahrhundertelange Geschichte zu erheben. Am 11. April 1973 wird der Bau-Beschluß durch den Ministerrat der DDR gefasst, im August 1973 beginnen die Tiefbauarbeiten, mehr als 600 Tiefbauarbeiter und 200 NVA-Soldaten heben die 180 m lange, 100 m breite und 12 m tiefe Baugrube aus. Am 2. November 1973 Grundstein gelegt, am 23. April 1976 findet die Eröffnungsfeier mit den Bauleuten, Monteure, Ingenieuren und Architekten statt. 10 Jahre später tritt Udo Lindenberg im Palast auf, der Sonderzug nach Pankow hat Berlin erreicht.

Der schöne Blick auf die goldbedampften Scheiben, in denen sich je nach Blickwinkel der Dom oder aber der Fernsehturm spiegelt - er wird mir fehlen. Ok, als die Fenster noch regelmäßig geputzt wurden, was das Bild schöner, klarer und ließ sich besser fotografieren - da gab es auch noch nicht diese Schmierereien der fehlgeleiteten, Gola-trinkenden Jugendlichen aus der revanchistischen BRD - und man konnte im Restaurant des Prestige-Objekts bei Klassenfahrten mit Besuch der "Hauptstadt der DDR" gepflegt mit der gesamten Klasse essen, das Drei-Gang-Menü für irgendwas um 4,52 Mark, die Club-Gola für 23 Pfennig dazu.


Blick von den Gaststätten des Nicolai-Viertels über die Spree hinüber zum Palast

Man musste nur erst Platz bekommen, denn obwohl von den -zig Tischen nur wenige besetzt waren, wurde sofort abgewunken - "Alles reserviert" - im Angesicht eines konvertierbaren 10-Mark-Scheines (West) änderte sich die Situation allerdings schlagartig und man durfte Platz nehmen. Spätestens hier wurde den Schülern klar, dass die düstere Prognose des Klassenlehrers ("Die 25-DM-Eintrittsgeld - Behördenjargon: Zwangsumtausch - könnt ihr abschreiben, die wird man nicht los") nicht aus der Luft gegriffen war. Am Abend dann, beim "Auschecken" am Bahnhof Friedrichstraße, kam immer noch ein erkleckliches Sümmchen zusammen, das Geld war einfach nicht auszugeben, da konnte man sich den Bauch vollschlagen mit Club-Cola, Breuler, DDR-Schokolade und was sonst noch und kaufen was der Markt gerade bot - nicht zu machen. Erinnerungen, die bei diesem Bild wach werden....

Wer Lust hat, kann durch ein spannendes Adventure (also ein Abenteuerspiel) den Palast erkunden, Mensch Erich lässt uns in den Palast bis in seine letzten Ecken eintauchen! Mit ein bißchen Glück findest du Erich Honecker und wirst sogar zum "Helden der Arbeit"!! Macht echt Spaß!!!

Wer sich einen eigenen Republik-Palast für den Schreibstisch bauen will: Hier wird man fündig!


So sah es dort im Sommer 2006 aus - fast schon abgrissen

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