Santorini - Vulkaninsel in der Ägäis - Oktober 2006

Reisebericht von Karl-Heinz Czierpka

Wir können es nicht lassen - auf nach Oia

Wir sind wieder unterwegs - wir wollen nach Oia, allerdings fahren wir bis Thira mit dem Bus, danach geht es auf eigenen Füßen weiter. "Busbahnhof Kamari" - direkt hinter unserem Hotel geht es los. Alle halbe Stunde fährt der Bus ab - man weiß nur nie, aus welcher Richtung er kommen wird, das griechische Nahverkehrssystem bietet Rätsel ohne Ende. Auch die Route scheint nicht so ganz genau festgelegt zu sein, manchmal wird der Flughafen auf der Rückfahrt angefahren, meistens nicht - egal - irgendwie plus minus 10 Minuten kommt der Bus und es geht los.

Thira aus der Ferne - der monumentale Skaros-Felsen, früher Standort einer Burg, ist schon deutlich zu sehen.

Und immer wieder ist der Blick auf diese unvergleichliche Stadt einfach atemberaubend, Stunden könnte man hier auf das Gewimmel der Straßen und Gassen schauen.

Die vielen kleinen Hotels hier an und in der Caldera-Wand bieten traditionelle Unterbringung an - im Klartext: Höhlenwohnungen, schön kühl in der Tiefe des Bims, davor mit Pool und kleinen Terrassen - alles zum entsprechenden Preis aber sicher sehr exklusiv, unverbaubarer Blick beim Sonnenuntergang im Preis inbegriffen.

Der Blick nach Süden zeigt die Gebiete des Bimsabbaus, hier hat die Landschaft böse unter dem Abbau des vulkanischen Produkts gelitten. Später, bei der Bootstour, kann man unten die Verladeanlagen sehen - man hat den Bims einfach in die Caldera runter rutsche lassen und dann dort gleich auf die Schiffe verladen.

Die Mulis sind auf dem Weg zur Arbeit. Also ehrlich, wenn ich ein Muli wäre, ich würde mir an jedem Morgen, der über Thira graut wünschen, dass heute nur wenige Passagiere aus den USA unter den Kreuzfahrern sind - gibt es eigentlich eine Gewichtsobergrenze für Muli-Passagiere? Was sich da manchmal durch die engen Gassen von Thira rollt ist wirklich oft weit jenseits von Gut und Böse.

Doch Mulis sind geduldig - und unendlich leidensfähig! So sind sie wieder auf dem langen Weg zum Hafen hinunter....

Das Wetter ist etwas launisch - dichte Wolken liegen über Imerovigli, es fallen sogar einige Regentropfen. Und das mit einer vierstündigen Wanderung vor der Brust - doch schnell sind die Wolken wieder weg...

...und kurz darauf liegt Imerovigli wieder im Sonnenschein.

Minuten später - wieder zieht eine Wolke durch, Regenschleier verkürzen die Sicht. Der Blick zum Skaros-Felsen aber zeigt, dass sich der Himmel aufklart, das kann sogar noch ein richtig schöner Tag werden.

Er liegt so nah und ist doch so weit entfernt. Wer ihn besteigen will (Vorsicht, loses Geröll und Gestein) muss zunächst tief runter um dann mühsam wieder Höhe zu gewinnen.

Wir machen lieber Pause - und natürlich haben wir einen Begleiter dabei (wenig später sogar deren zwei) - die Hunde auf Santorini lauern nur auf ein freundliches Wort, auf einen etwas zu langen Blick in die traurigen braunen Augen - schon sind sie dabei. Dieser Kollege hier allerdings war durch die zurückliegende Saison doch etwas verwöhnt, denn er nahm Utes Brotscheibe nur höflichkeitshalber und ließ sie eher angewidert so eben über dem Zahn hängen um sie schnell fallen zu lassen. Das wird in einem Monat anders aussehen, denn wenn die Touristen ausbleiben und auch viele Griechen die Insel räumen setzt ein hartes Leben für die Streuner ein, auch ihre viel gerühmte Freundlichkeit zu den Menschen leidet dann unter dem Hunger - wer überleben will, muss sich schon ziemlich deutlich durchsetzen.

Blick auf Oia und die Armeni-Bucht. Das Wetter macht sich! Sag ich doch!!

Gleicher Standort mit etwas anderem Blickwinkel und Vordergrund - Oia im Norden der Insel mit der Durchfahrt zum offenen Meer. Es war einmal die größte Stadt der Insel - 9.000 Menschen wohnten hier vor dem Erdbeben von 1956, 78 Kirchen kündeten vom Reichtum, denn über 80% der Bewohner brachten als Seefahrer gutes Geld in den Ort, davon kündeten auch die 160 Schiffe im Hafen - vorbei.

Der Blick auf Oia bleibt uns auch während der Pause erhalten. Wie immer stärken wir uns bei Janis, der früher Stammgastronom der Gruppe in Kamari war. Er hat hier auf halber Strecke zwischen Thira und Oia mit dem Lokal Iris eine neue Existenz gegründet. Allein der Blick lohnt den Besuch!

Mit dem Bus ist das Lokal ebenfalls gut zu erreichen, es liegt an einer ganz schmalsten Stelle der Insel: im Osten die Ägäis, im Westen die Caldera. Zu beiden Seiten ist der Blick umwerfend.


Iris - von der Straßenseite aus gesehen

Und das ist die Terrasse mit Blick auf Oia - gibt es etwas schöneres? Kaum, dieser Blick ist einmalig. Aber das ist nicht alles. Janis ist bekannt für seine Küche - und alles bei zivilen Preisen.

Und Spaß inklusive! Janis ist eine echte Frohnatur, in allen üblichen Sprachen der Insel bewandert. Aber man sollte auf Griechisch bestehen - dann, wenn er die Einzelposten der Rechnung aufsummiert. Die Griechen (und vor allem die Griechinnen) sprechen ja gerne viel und schnell, aber was Janis hier von sich gibt ist mehr als rekordverdächtig!

Bei allem unterstreicht er das Gesagte mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik - kleine Studie:



Janis wie er leibt und lebt und spricht und lacht - so mögen wir ihn!

Wir müssen weiter - der Mikro Profitis Elias liegt im Weg. Mit 314 Metern einer der großen Erhebungen der Insel. Die Lavaablagerungen sind zwischen 50.000 und 100.000 Jahren alt. Und natürlich krönt eine Kapelle den Berg.

Der Weg schlängelt sich nun an dieser schmalen Stelle dicht an der Abbruchkante entlang, der Blick nach unten ist empfindlichen Gemütern nicht unbedingt zu empfehlen, oft geht es fast senkrecht (also: fast!) nach unten, an einigen Stellen erfasst einen schon ein kleines Kribbeln...

Riesige Steinblöcke liegen herum, wie von Titanen in die Gegend gestreut - eine eigentümliche Landschaft.

Fantastischer Blick - auf die nächsten Vulkane, denn da kommen noch Kokkino Vouno und Megalo Vouno - aber vorher geht er ersteinmal wieder bergab (sonst wäre es ja auch langweilig).

Wind und Wasser arbeiten die eingeschlossenen Lavablöcke aus dem weichen Bims heraus, irgendwann purzeln sie dann herunter und liegen je nach Größe mehr oder weniger im Weg.

Die letzten Vulkane des Tages, gleich haben wir auch die geschafft. Der Weg führt durch eine jetzt wirklich seltsam anmutende Landschaft. Schwarze Aschenfelder wechseln sich mit roten Schlacken ab, dazwischen immer wieder Bereiche, die sich die Natur zurückerobert hat.

Riesige Flächen mit schwarzer Vulkanasche, vom ständigen Wind bearbeitet und unterhöhlt - und obwohl die Sonne heute nicht so ganz richtig durchkommt - die Hitze strahlt einen förmlich an. Gut vorzustellen, was hier an einem heißen Hochsommertag für Temperaturen herrschen...

Geschafft, die riesige Mouzaki-Bucht liegt links hinter uns, Skaros und Imerovigli gut zu erkennen. In der Bildmitte die Kameni-Inseln. Das war ein schweißtreibender Aufstieg, aber hier gibt es ja zum Rasten - richtig - wieder eine Kapelle!

Der Blick nach Norden zeigt unser Ziel Oia, links liegt Therasia, das "kleine Thera" und rechts schweift der Blick ab in die....

...fruchtbare Ebene nordöstlich von Oia - hier wird Ackerbau betrieben, die vielen Felder erklären die großen Getreidespeicher, die wir unterwegs gesehen haben.

Jetzt geht es ständig zu Tal - Oia rückt immer näher. Der Weg ist nun problemlos, gut befestigt, breit und weit genug weg von steilen Kanten.

Flechten haben die Steine besiedelt, Ausblühungen sind überall zu sehen.

Keine Ahnung was sich da schlängelt - Nacktfingergecko oder Kykladeneidechse? Oder oder - aber so viele Alternativen gibt es nicht, es sind nur fünf Reptilienarten zur Zeit sicher auf Santorini nachgewiesen.

Oia mit Windmühle - weltbekanntes Motiv am Kap Ag. Nikolaos, dem Ende von Thera. Drüben ist schon die Landspitze von Therasia zu sehen, Kap Rina. Hunderte von Touristen warten hier schon auf den Sonnenuntergang, man muss sich frühzeitig um einen guten Platz bemühen, vor allem, wenn man ein schönes Foto mit entsprechendem Vordergrund schießen möchte.

Überall sind in Oia noch alte Häuser und Höhlenwohnungen zu sehen, an manchen Stellen sind es noch die Zerstörungen des 56er Bebens.

An anderen die Spuren aus grauer Vorzeit.

Aber es gibt durchaus auch frische Wunden in der Immobilienlandschaft. Dieses Schlachtfeld sah sehr jung aus, die Terrassenstühle standen noch unter der zerfetzten Plane, so als sei das Haus "einfach so" zusammen gestürzt. Wenn man sich die Bauweise an vielen Stellen näher anschaut wundert man sich eigentlich nur, dass nicht mehr passiert: Allheilmittel ist auf Santorini immer Beton, und je brüchiger der Untergrund oder die alten Mauern sind, umso mehr davon wird benötigt - immer aber wird einfach auf den alten Ruinen neu aufgebaut, manchmal vielleicht ein Fehler?

Blick auf Oia - die starke Ähnlichkeit zu Thira fällt auf - in diesem Lokal habe ich den teuersten Espresso dieses Urlaubs getrunken, 4,50 Euro, zusammen mit Utes Schokomilch waren elf Euro zu berappen. Dafür durften wir aber auch glatte 15 Minuten die herrliche Aussicht genießen.

Letztes Foto und Abschied von Oia - Windmühle am Kap

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