Santorini Ostern 2003

Reisebericht von Karl-Heinz Czierpka

It never rains in Kamari...

Ich kann mich noch gut daran erinnern: Als ich das erste Mal in Kamari, es war Oktober, ein Auto auslieh, einen landestypisch offenen Geländewagen, fragte ich den Vermieter bei der Einweisung, wo denn das Dach verpackt sei. Er fragte mit deutlich irritiertem Blick: "Das Dach, was wollen Sie denn damit" - "Na, wenn es mal regnet?" und mit einem vielsagenden Augenrollen kam die Feststellung, die in ihrer Bestimmtheit keinen Widerspruch duldete: "Es wird nicht regnen!"

Aber nun schreiben wir April 2003, das Tief Quentin drückt Front auf Front über die Kykladen und die Dünung des gestrigen Sturmes rollt an den Srand von Kamari Beach...

Und da man mit Regen nicht rechnet, ist man auch nicht darauf eingestellt. Die Primitiv-Entwässerung der Häuser (gleich auf die nächste Straße, wenn es nicht in die Zisterne geht) und der Straßen führt dann zu chaotischen Bedingungen, mit denen die regenentwöhnten Einheimischen nicht adäquat umzugehen wissen. Trotz mehr als 10cm Wasserstand wird das Tempo nicht gedrosselt und mit riesiger Bugwelle plätten die Fahrzeuge durch den Ort, die Gischt spritzt bis in die Vorhallen der Häuser! Soviel Wasser gibt es hier allenfalls gegen Ende der Saison, wenn die Pools entleert werden und die Eigner einen einfachen Weg suchen, sich des vielen Wassers zu entledigen....

Leider habe ich kein Foto von dem rot-bunten Kater, der aus unaufschiebbaren Gründen die Straßenseite wechseln musste. Als er in den Fluten stand, hielt er inne - es war ihm schnell klar geworden, dass sein Plan, mit möglichst vielen trockenen Pfoten auf die andere Seite zu kommen, nicht durchführbar sein würde. Mit drei Pfoten im Wasser, den linken, noch trockenen Vorderlauf so hoch wie möglich, konnte man seine Gedanken förmlich sehen. Angewidert auf die vielen Meter Wasser vor ihm starrend, trat er den Rückzug an: Ein komplizierter Sprung mit einer integrierten 180-Grad-Wende brachte ihn aus der misslichen Lage - ob es der vierten Pfote den Kontakt mit dem verhassten Element Wasser ersparte war nicht festzustellen.

Jede Straße hat ein Ende, gut, wenn es am Meer liegt so wie hier und sich das Regenwasser kasskadenartig in die Ägäis ergießen kann...

Gefährlich bei Regen die Vorliebe der Geschäftsleute für die schönen glatten Fußbodenplatten in weiß oder altrosa: Sie verwandeln sich in nassem Zustand in gefährlich glitschige Böden, der Reibungskoeffizient strebt gewaltig gegen Null - aufpassen!

Danach ist dann das große Aufräumen angesagt, wahrscheinlich das letzte Schlammfegen für dieses Jahr, denn:

It never rains in Kamari!

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