Sch wie Schleusen oder schleusen

Drama oder Lustspiel in fünf Akten

4. Akt - Es geht bergauf oder -ab - auf jeden Fall tut sich was

Also, Boot ist fest, die Tore schließen sich - nix passiert. Es dauert oft eine Weile, gerade bei Großschleusen läuft der Vorgang automatisch ab - irgendwann geht es los. Zu Tal ist einfach weil in der Regel fast strömungsfrei. Zu Berg wird es etwas arbeitsintensiver. Bei einer klassischen Schleuse läuft das Wasser durch große Öffnungen im Obertor (Schütze) in die Kammer. Hier kann man die Öffnungen mal sehen - riesig - da passt ein Mittelpklasse-PKW locker durch. Es kommt also einiges auf die Boote im Unterwasser zu!

Und das viele Wasser sieht in der Tat manchmal recht gewaltig aus und rauscht und sprudelt wie wild - doch da es nur bis zum Ende der Kammer kommt und dann umgelenkt wird, reißt es das Boot nicht mit, es setzt dann gleich auch von hinten Strom und nach kurzer Zeit liegt man recht ruhig, es schaukelt nur je nach Geschwindigkeit des einströmenden Wassers.. Trotzdem muss man aufpassen, denn das Wasser schießt oftmals ganz schön schnell in die Kammer und drückt das Boot gern von der Wand ab. Ganz vorn, da wird es oft richtig schaukelig. Nicht nur im Kino sind die besten Plätze eben hinten.


Wasser marsch - es geht nach oben!

Viele Schleusen werden von unten befüllt - das verleitet oft zu Nachlässigkeit - und genau das sollte es nicht. Denn das Wasser drängt sich stark zwischen Schleusenwand und Boot und kann enorme Kräfte frei setzen. Bei der Tina unten sieht man gleich einen zweiten Fehler: Niemals, wirklich niemals die Leine so aus der Hand führen! Da hat man absolut keine Gewalt über das Boot. Die Leine muss immer um Klampe oder Poller geführt werden. Durch die Reibung kann man dann ein Vielfaches an Paroli geben und hat das Boot gut im Griff. Dabei wäre es hier in der Schleuse Henrichenburg auf dem Weg nach Dortmund ganz einfach gewesen, da gibt es nämlich Schwimmpoller! Die heben und senken sich mit dem Wasserstand - allerdings sollte man sie gut im Auge behalten, denn 1. dauert es etwas, bis sie sich bewegen und 2. können sie sich auch mal verkanten - also auch hier mindestens ein Auge riskieren!

Auch hier wurde die Leine aus der Hand geführt - das Problem kündigt sich bereits an: Die Crew (neues Boot, erste Schleusung) hat echte Schwierigkeiten an der Wand zu bleiben. Es kommt wie es kommen muss: Das Boot wird immer weiter abgedrückt, die Arme werden immer länger, ein Crew-Mitglied geht über Bord. Glücklicher Weise taucht es gleich wieder auf und kann zur Leiter schwimmen - ich hatte die Funke schon in der Hand.

Das Boot treibt in der Kammer und die Versuche, es mit der Hand wieder an die Wand zu ziehen sind absolut gefährlich, zumal der Skipper hier auch versucht, mit dem Motor nachzuhelfen - zu leicht könnte dabei das Crewmitglied auf der Leiter verletzt werden - lebensgefährlich diese Situation. Ein weiterer Fehler fällt auf: Niemand trägt eine Rettungsweste, beim Überbordgehen hätte schon ein leichtes Anstoßen mit dem Kopf gegen die Bordwand oder die Mauer die Katastrophe auslösen können. Bei den starken Verwirrbelungen in der Kammer wäre es sehr schwer gewesen, einem leblosen Körper irgendwie habhaft zu werden. Und selbst ein Schnellstop des Schleusenvorgangs dauert lange Minuten...

Hier aber ging alles gut, das Crew-Mitglied enterte die Leiter auf und irgendwie kam der Skipper auch wieder an die Wand - Platz war ja auch genug da zum Manövrieren. Was lernen wir: Immer die Leine belegen, nie eine Gratwanderung ohne Rettungsweste antreten. Seit diesem Erlebnis übrigens habe ich in jeder Schleuse die Weste an!

Nischenpoller sind aber auch nicht schlecht, obwohl: Bei einem kleinen Boot wie der Tremonia mit schmalen Gangborden kommt man den appetitlichen Schleusenwänden näher als so manchem Crewmitglied lieb ist. Und da der schmierig-schleimige-giftig-grüne Algenüberzug der Wände nicht nur auf der Haut Spuren hinterlässt sondern auch die Kleidung verziert sollte man den schönen neuen quietsch-gelben Fleece-Pulli hier in der Schleuse besser gegen den dunkelblauen Arbeitstroyer tauschen. Dazu tropft es ab und zu von oben und drohend wie weiland dem Damokles sein Schwert* hängen große "Gebinde" der Wasserpflänzchen an irgendwelchen Vorsprüngen, bereit, jederzeit abzustürzen und den schwer arbeitenden Schleuser unter sich zu begraben.

*Grammatikalische Besonderheit im Revier: statt "Rudis Bierflasche" heißt es hier kurz "Dem Rudi seine Pulle" - Steigerung: "Dem Rudi seine Pulle ihr Deckel" und, nächste Ebene "Dem Rudi seine Pulle ihr Deckel sein Rand" usw. Verstanden? Nee, macht nix, is halt so gewachsen, die Sprache. Wenn Du mehr über unsere Sprache lernen und erfahren willst: Klick mal hier!

Jule ist ja nicht pingelig - dennoch ist es ihr nicht ganz so angenehm, dass sich so ein Boot bei den vielfältigen Strömungen und Verwirbelungen in der Kammer manchmal ohne Vorwarnung ganz dicht an die Wand legt - bei einem kleinen Kreuzer wie der Tremonia bleibt da nicht viel Platz - auf Du und Du mit den Algen sozusagen. O-Ton Jule: "Gut dass ich keine großen Titten habe" - richtig, großvolumige Silikonbusen werden hier schnell zu äußerst effektiven Ersatzfendern, darum reisen die vollbusigen Damen aus der Hochglanzwerbung für Motoryachten auch lieber im Off-Shore-Bereich durch die schöne bunte Welt des Wassersports: Keine Schleusen - keine Platzprobleme, so einfach ist das. Aber weg von den Randproblemen des Schleusens und zurück zu des Pudels Kern!

Die Leine wird natürlich nie belegt, das ist sehr sehr wichtig. Gerade beim Schleusen zu Tal kann eine kleine Unachtsamkeit dazu führen, dass die Leine unter Spannung kommt - dann lässt sich ein Knoten nie mehr lösen und das Boot hängt sich auf. Ehe der Schleusenvorgang bei einer Großschleuse gestoppt ist, hängt das Schiff an der Wand. Darum gibt es im Cockpit der Tremonia auch ein stabiles Messer, immer griffbereit für Notfälle. Themenwechsel: In manchen Schleusen werden die Kammern von der Seite befüllt - da sollte man möglichst nicht an den Öffnungen liegen. Solche Besonderheiten werden meist in der Revierliteratur erwähnt - ist man sich unsicher, kann man einfach den Schleusenmeister fragen.


Nochmal Schleuse Bobzin, Müritz-Elde-Wasserstraße - Wasserzulauf an der Seite

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