Um elf schließlich starte ich zu einer Radtour nach Ter Apel, dem Ziel für den nächsten Tag. Schnurgerade geht es am Kanal entlang, mit dem Fahrrad noch langweiliger als mit dem Boot (man muss ja trampeln!). Auf dem Rückweg hänge ich meinen Gedanken nach und verfahre mich (!) obwohl ich ja eigentlich nur am Kanal hätte entlang fahren müssen, aber irgend einen Abzweig habe ich übersehen und stelle plötzlich fest, dass dieses verkrautete schmale Gewässer neben mir auf keinen Fall der Ter Apelkanaal sein kann. Ein Bauer zeichnet mir mit seiner Stiefelspitze die Skizze für die Abkürzung zurück nach Musselkanaal in den Sand und ich finde den Weg tatsächlich. Hier, weg vom Kanal "hinter dem Deich" tut sich das ganze Elend der Landschaft auf: Potteben, nur durch die Baumreihen an den Straßen unterbrochen - und durch die Gehöfte.

Aber die erinnern eher an Industriebetriebe - der Maschinenpark ist gewaltig, der hier vor den Bauernhöfen aufgebaut ist, mehrere Traktoren, Unimogs, eine Unmenge von anderem Gerät - moderne Landwirtschaft eben.

Zwei Stunden ziemlich schneller Radfahrt, gut durchgeschwitzt und eines steht fest: Ich kaufe mir für mein Bordfahrrad einen anderen Sattel, mein Hinterteil tut sowas von weh und ich glaube ganz einfach, ich habe mir mit meinen 55 Jahren auf dem Buckel das Anrecht auf eine adäquate Sitzgelegenheit auch auf zwei Rädern verdient. Die Angler sind noch immer da, seit heute morgen sitzen sie schon am Ufer, beobachtet von ihren Frauen (in der 2. Reihe), die hier am Kanal ebenfalls den verschiedensten Hobbies nachgehen. Das ist Liebe!

Nach dem Mittagsschläfchen dann schnell Dach herunter, das Wetter ist phänomenal: SONNE. Wer noch einmal über den Sommer 2005 schimpft, der bekommt es mit mir zu tun. Die ersten vier Wochen bin ich nur mit kurzer Hose und T-Shirt gefahren, habe allenfalls spät abends zum Pullover gegriffen und nun schon wieder: Nachts Regen und tagsüber schönes Wetter - ich kann nicht meckern!

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