Jeder weiß, was jetzt kommt: Diese Stippvisite muss einfach sein, das kann ich mir nicht verkneifen. Der Berliner Dom, wunderbar anzuschauen, verdeckt ja nur die ganz große Baustelle, die im Augenblick die gesamte Spree-Passage so schwierig macht. Und diese Baustelle wollen wir uns am Nachmittag ansehen!

Ausgehöhlt, entkernt, von Asbest befreit - der Palast der Republik ist nur noch ein Gerippe. Das ehemalige Aushängeschild des Arbeiter- und Bauernstaates muss weichen - das heißt: Eigentlich weicht es ja nur einer Wiese! Aber mangels Folgenutzung und in Anbetracht des katastrophalen Zustandes muss das Ding weg, Ob hier wirklich mal ein Nachbau des Stadtschlosses entsteht - ich wage es zu bezweifeln. Aber vielleicht erlebe ich es ja noch! Immerhin haben an dieser Stelle bis 1918 die Hohenzollern residiert, 1950 wurde das Schloss gesprengt und im August 1973 haben mehr als 600 Tiefbauarbeiter und 200 NVA-Soldaten mit dem Ausheben der Baugrube begonnen, drei Jahre danach wurde das Gebäude eröffnet. 10 Jahre später hatte dann der Sonderzug nach Pankow hat Berlin erreicht, Udo Lindenberg trat im Palast auf, den die Berliner wegen der "modernen" Innenbeleuchtung respektlos "Erichs Lampenladen" nannten.

Unvergessen die letzte Klassenfahrt vor der Wiedervereinigung mit Besuch der "Hauptstadt der DDR". Hier konnte man gepflegt mit der gesamten Klasse speisen, das Drei-Gang-Menü für irgendwas um 4,52 Mark, die Glub-Gola für 23 Pfennig dazu. Man musste nur erst Platz bekommen, denn obwohl von den -zig Tischen nur wenige besetzt waren, wurde sofort abgewunken - "Alles reserviert" - im Angesicht eines konvertierbaren 10-Mark-Scheines (West) änderte sich die Situation allerdings schlagartig und man durfte Platz nehmen. Spätestens hier wurde den Schülern klar, dass die düstere Prognose des Klassenlehrers ("Die 25-DM-Eintrittsgeld - Behördenjargon: Zwangsumtausch - könnt ihr abschreiben, die wird man nicht los") nicht aus der Luft gegriffen war, da konnte man sich den Bauch noch so vollschlagen mit Club-Cola, Breuler, DDR-Schokolade und kaufen was der Markt gerade bot - am Abend, beim "Auschecken" am Bahnhof Friedrichstraße, blieb immer noch ein erkleckliches Sümmchen in der Tasche, das Geld war einfach nicht auszugeben. Ich denke noch an Marc, der unter dem Motto "Denen schenke ich nicht einen Pfennig" verzweifelt nach Kaufbarem suchte und in seiner Not dann um die dreißig Liter Orangensaft erstand. Er musste alle seine Freunde und Innen aktivieren, um das Zeugs irgendwie in die Jugendherberge zu transportieren. Nach nur einem Tag war niemand mehr gegen Geld oder gute Worte bereit, auch nur einen winzigen Schluck von diesem "Orangen"saft zu verköstigen - zu sehr schmeckte man den VEB Leuna durch - schweren Herzens musste Marc dann nahezu alles verklappen. ..

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