Sommertörn 2006 nach Berlin und Lübeck

Bericht von Karl-Heinz Czierpka

4. Etappe - Kreuz und quer durch Berlin während der Fußball-WM

Während der letzten Tage war die Fischerinsel - neben dem Anleger Charlottenburg - unser zuhause auf dem Wasser. Vier Boote können hier abseits von Schwell und Hektik mitten im Zentrum der Stadt liegen. Allerdings ist die Durchfahrtshöhe begrenzt: Die Yacht aus Leerdam musste oben herum komplett abgebaut werden, um den Liegeplatz zu erreichen. Die Bogenbrücken haben in der Mitte etwa 3 Meter, vielleicht ein wenig mehr. Meinen Mast (2,90m) kann ich jedenfalls stehen lassen. Von hier kann man die gesamte City prima erreichen, per Bahn und Bus, zu Fuß (Brandenburger Tor in 15min) oder auch per Rad - wobei Radfahren in Berlin eine spezielle Sache ist - jedenfalls nicht meine. Einmal versucht, nie wieder.

Ein Ziel meiner Exkursionen: Das Holocaust-Mahnmal - nach endloser Debatte dann doch verwirklicht. An zentraler Stelle der Hauptstadt eine gigantische Erinnerung und Mahnung - viele Besuchergruppen sind unterwegs, sitzen irgendwo auf einer der Stelen, lassen sich informieren, diskutieren. Dennoch ist man in dem riesigen Stelenfeld relativ allein, ebenso gewollt wie die Tatsache, dass die schmalen Wege ein Nebeneinander unmöglich machen - man ist allein. - "Unsere Würde gebietet einen unübersehbaren Ausdruck der Erinnerung an die ermordeten europäischen Juden" - dieser Feststellung von Willy Brandt ist mit dem Holocaustmahnmal in besonderer Weise Rechnung getragen worden.

Zentraler geht es kaum und dieser Platz wird der Bedeutung gerecht. Mitten drin, mit Blick auf Reichstag und Potsdamer Platz, eine bessere Stelle hätte man nicht finden können. 2711 innen hohle Stelen wurden auf der 13.000qm großen Fläche aufgestellt. Der Entwurft stammt von dem renomierten New Yorker Architekten Peter Eisenman. Nach den unsäglichen Querelen um dieses Denkmal wurde der Bau 1999 dann endlich vom Deutschen Bundestag beschlossen - nach mehr als zehnjähriger Diskussion.

Es ist beklemmend, in das Stelenfeld hinein zu tauchen. Nach den vielen Bildern und veröffentlichten Meinungen muss ich sagen: Dieses Gefühl ist schon beeindruckend. Die Stelen haben eine Höhe von bis zu 4,7 Meterm und wiegen je bis zu 16 Tonnen! Unter dem Feld befindet sich der Ort der Information - ein Museum, in dem unter anderem die Namen aller bekannten jüdischen Holocaust-Opfer aufgeführt sind.

Kinder haben ihre eigene Art sich so ein Monument zu erschließen. Gerade der Gegensatz zwischen dem bedrohlichen Grau der Stelen und den bunt gekleideten Touristen ist reizvoll, genau so wie das helle Kinderlachen beim Spielen zwischen den Betonblöcken in dieser eher dunklen Atmosphäre. Ansehen!

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