Von Lauenburg nach Travemünde über Elbe-Lübeck-Kanal ELK und Trave
Reisebericht von Karl-Heinz Czierpka
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Elbe-Lübeck-Kanal Lübeck Kanaltrave Trave Palmschleuse Delvenau Strecknitz Strecknitzfahrt Dükerschleuse Witzeeze ELK Lauenburg Siebeneichen Güster Mölln Ziegelsee Donnerschleuse Behlendorf Travemündung Genin Hansehafen Holstentor Herrenbrücke Gothmund Travemünde Passat Ostsee
Die folgenden Seiten sind Teil des Reiseberichtes unseres Sommertörns 2006, er führte uns aus dem Ruhrgebiet über DEK und MLK an die Elbe und vor dort über den Elbe-Havel-Kanal und die Havel nach Berlin, anschließend über die Elbe und den Elbe-Lübeck-Kanal bis nach Travemünde und auf dem Rückweg über den Elbe-Seitenkanal zurück auf den Mittellandkanal. In diesem Abschnitt wird die Fahrt über den Elbe-Lübeck-Kanal und Kanaltrave von Lauenburg bis Lübeck beschrieben, außerdem die Fahrt über die Trave bis in die Lübecker Bucht. Die anderen Etappen unserer Reise sind über die Auswahlseite zu erreichen
Lauenburg ist Startpunkt des Elbe-Lübeck-Kanals ins 67 Kilometer entfernte Lübeck, die letzten 5,6 Kilometer legt man dabei auf der Kanaltrave zurück. Kaiser Wilhelm II. hat diesen Kanal am 16. Juni 1900 eingeweiht. Die Ufer bestehen weitgehend aus Holzpfahlwänden, daher ist die Höchstgeschwindigkeit auf 10km/h begrenzt.
Doch zuerst besuchen wir die Palmschleuse, die älteste erhaltene Kammerschleuse Europas. Sie gehörte zum Vorläufer des Elbe-Lübeck-Kanals. Schon im 12. Jahrhundert wurde Salz aus Lüneburg, das "Weiße Gold des Mittelalters" auf umständlichen Wegen nach Lübeck transportiert. 1398 begann man damit, die kleinen Flüsse Delvenau und Strecknitz zu verbinden und über 15 hölzerne Schleusen zu regulieren - mit der Strecknitzfahrt war der älteste Kanal Europas entstanden. Dabei gab es zwei Schleusentypen, die Kistenschleusen wie die Palmschleuse, Vorläufer der heutigen Kammerschleusen. Und es gab die Stauschleusen, bei denen das Wasser wie bei einem Wehr hinter einem Tor gestaut wurde und das Schiff dann nach Öffnen des Tores mit dem Wasserschwall weiterfuhr. Auch davon ist ein erhalten, die Dükerschleuse bei Witzeeze - diese konnten wir leider nicht besuchen - nächste Mal vielleicht.
Die Palmschleuse ist sehr schön restauriert worden und liegt kurz hinter der neuen Schleuse Lauenburg, die erst vor wenigen Jahren komplett neu gebaut wurde. Auch am ELK wird viel gebaut, einige Brücken werden ersetzt.
Wir haben die Nacht beim WSC Lauenburg kurz vor der Schleuse verbracht, eine kleine Anlage, vornehmlich auch für kleine Boote. Ganz hinten in der Ecke war noch ein Plätzchen frei - allerdings hätte mein Nachbar auch nicht mehr kommen dürfen, denn die
Tremonia füllte den Zwischenraum zwischen den beiden Fingerstegen sehr gut aus, geschätzte 1,80 wären noch frei gewesen, ein dickes Paddelboot - das hätte noch geklappt. Ansonsten schöne Lage und eine gute Einrichtung, für 9 Euro ohne alles dürfen wir hier liegen.
Auch hier im Hafen ist das Ufer naturbelassen, viele Enten sind unterwegs, dieser Geleitzug forderte morgens meine Aufmerksamkeit: Die Entenmama ließ ihre Zöglinge zwischen Steg und Ufer frühstücken, langsam, ab und zu ein verhaltenes kurzes Quaken ausstoßend, zog sie ihre Bahn und die Kleinen, unaufhörlich piepend, schwärmten aus und grasten emsig am Ufer, während die Alte besonnen die Lage im Blick behielt. Ein schönes Bild, obwohl es fotografisch nicht gut rüberkommt (wie ich zugeben muss).
Vor der Schleuse wartet schon ein Schubverband mit
Bison B 29 als treibender Kraft am Heck. Die beiden Männer an Bord, stabile Mannssbilder mit gut ausgeprägter Wampe grüßen freundlich zurück, den Funkverkehr habe ich schon während des Frühstücks verfolgt.
Die Schleuse Lauenburg ist ein Neubau. Für Sportboote gibt es rostige Dalben (hinter denen für die Berufsschifffahrt) mit etwa 4,50 Meter Abstand und je zwei Haken - geht ganz gut.
Gut festmachen, denn wenn die Schleuse zu Tal kommt, gibt es ecklige Wellen und dann schrappt das Boot an den rostigen Stahldalben. So reiben sich nur die Fender auf und schmirgeln die Dalben blank. Vielleicht wird ja auch noch Oberflächenbehandlung betrieben, wer weiß?
Das Schleusen selbst ist unproblematisch, der
Bizon fährt ganz sanft aus der Kammer und so bliebt Gelegenheit genug für ein Foto zurück - die Schleusenkammer mit ihren glatten Wänden.
Und dann geht es los, im Zuckeltrab hinter
Bizon B 29 her, so mit geschätzten 6km/h im Schnitt. Nicht sehr schön.
Dafür ist der Kanal umso schöner, die Landschaft rechts und links ist leicht hügelig, die Felder und Weiden durch viele Hecken und Baumgruppen unterbrochen. Erinnert mich an das Münsterland, so wie ich es in meiner Kindheit erlebt habe, bevor Arbeitsbreite von Mähdrescher und Saatmaschine wegen der breiten Zugangswege den Abschied von den wertvollen Begleitgehölzen erforderlich machte.
Eingestreut ins Landschaftsbild kleine Dörfer und Höfe. Hier ein Uferabschnitt ohne den für diesen Kanal typischen Schilfgürtel. Im großen Naturschutzgebiet Delvenau-Strecknitz-Niederung südlich des Kanals finden sich viele selten gewordene Tierarten, u.a. gibt es hier noch den Steinbeißer, der eine sehr gute Wasserqualität benötigt. Weitere Naturschutzgebiete am Kanal sind Talhänge bei Göttin und die Lauenburgische Wärmeheide. Exkursionen, Wanderungen und Radtouren werden örtlich angeboten. Wer also ein paar Tage mehr Zeit hat...
Ansonsten fährt man weitgehend über einen pappelbewachsenen Wasserweg, klar dass die schattigen Treidelpfade bei diesem Wetter viele Radfahrer und Spaziergänger an den Kanal locken.
Die empfindliche Unterwasserpfahlwand ist der Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem ELK - maximal 10km/h darf man hier laufen und wer dabei immer noch Wellen macht muss noch weiter runter mit der Geschwindigkeit.
Durch die Trockenheit sind die Köpfe der Pfähle mittlerweile alle im Trockenen. Aber man hat ein probates Mittel gegen den Wassermangel: Sportboote müssen zwei Stunden auf die Schleusung warten, das hilft. Früher hat man bei ernsten Problemen ein Menschenopfer gebracht, heute regelt man es eben so. Wer kommt auf so einen Schwachsinn? Wenn festgelegt würde, dass nur vollbesetzte Kammern geschleust werden wäre allen geholfen, aber so eine blöde Regel....
Zahlreiche alte genietete Brücken führen über den Kanal, sie sind bereits beim Bau des Wasserweges auf Podesten errichtet worden, dann brauchten sie nicht gar so lang sein.
Hier wird eine der alten Brücke ersetzt, das "Blaue Wunder" steht schon bereit - erinnert an den MLK und seine Stichkanäle.
Mehrere see-artige Verbreiterungen lockern den Kanalverlauf auf, mit dem Motorboot dürfen sie alle nicht befahren werden, schade, könnte man schön ankern für die Nacht.
Einfahrt verboten auch hier, ein kleiner Campingsplatz, Ufergrundstücke und viele Schwimmer im Wasser
Und damit es nicht langweilig wird gibt es hier den selbst gemachten Whirlpool, ein Schlauchboot sorgt für die entsprechende Wasserbewegung und Gekreische bei den Schwimmern.
Manchmal liegen Seen abseits vom Kanal, wie hier bei Kilometer 34 - vielleicht alte Arme der Delvenau, deren Bett der Kanal ja hier zum Teil benutzt. Sieht auf jeden Fall sehr schön aus, wenn so ein Weiher dunkelblau herüber blitzt.
Und immer wieder wird das Auge gefangen genommen von dem Blick rechts und links, zwar eine Kulturlandschaft aber eben eine, die durch die Gehölzinseln sehr lebendig und "natürlich" wirkt.
Schleuse Witzeeze - da passt nur der Schubverband allein hinein, wir müssen warten. Zwei Boote passen an den kleinen Wartesteg, ich hänge mit mit Trick 17 an einen Dalben. Eine Stunde später Doppelgrün, doch ein Frachter kommt und fährt ein, 69 Meter lang bei einer 80-Meter-Schleuse - das wird wieder nichts. Die beiden anderen machen dennoch los, schließlich winkt der Schleusenmeister. Wie soll das gehen?
Beim Näherkommen wird klar - es ist eine breite Schleuse, die 12-Meter-Angabe in der Karte betraf nur das Tor, nicht die Kammer! Wenn man hinter dem Frachter durchkommt, gibt es Platz satt. Die
Cayenne hat da ein paar Probleme, schließlich klappt es doch, wir hinter her.
Wichtig beim Einfahren in der Bergfahrt: Das Wasser kommt über den Boden in die Kammer, das ist ja eigentlich sehr angenehm, allerdings wird im vorderen Drittel der Kammer an beiden Seiten das Wasser auch seitlich eingelassen. Nicht immer weist der Schleusenmeister darauf hin, diese Minigeysire können schon mal ein bis zwei Meter hoch steigen und ein offenes Boot schnell fluten oder aber durch geöffnete Fenster ins Boot steigen - also aufpassen oder den Schleusenmeister gezielt fragen!
Oben angekommen erklärt mit der Cayenne-Skipper, er würde weit hinter dem Frachter bleiben, weil der soviel Dreck aufwirbeln und damit seine Filter verstopfen würde. In Herne hätte ich per Funk angefragt, ob man vorbei kann - warum nicht auch hier. Und klar, der Schiffsführer will uns gleich nach der Ausfahrt passieren lassen, netter Typ, nimmt sogar den Hebel zurück und so können wir unter Einhalt der Geschwindigkeitsbegrenzung an der
Reinbek vorbei. Man muss bloß drüber reden....
Praktischer Weise bleibt man im Konvoi - vor allem, wenn man ein Frachtschiff erwischt hat, denn das ist die Garantie für schnelles Weiterkommen. Diese Boot blieb zurück, das Pärchen hatte bei der Hitze die Nase voll und zog sich in den wohltuenden Schatten einer großen Trauerweide zurück. Kurze Frage beim Schleusenmeister ist hier wichtig. Das Risiko trägt man natürlich allein - es kann sein, dass man dann beim Wiedereinstieg stundenlang warten muss - aber das kann auch an diesem Ausnahmesommer gelegen haben. Wassermangel in allen Stauhaltungen, zwei Stunden Wartezeit bis das Wasser zur nächsten Schleusung zur Verfügung steht - wahrscheinlich läuft es in normalen Sommern hier ganz entspannt wie anderswo auch. .
Seilfähre bei Kilometer 44 - Siebeneichen - glücklicher Weise ist ein Fährmann dafür verantwortlich, man kann sich also darauf verlassen, dass das Seil auch auf dem Boden liegt. Seit unseren Erfahrungen in den Niederlanden mit Selbstbedienungspontons bin ich da immer sehr vorsichtig.
Durchstich Güster - hinter der schmalen Landzunge verbirgt sich ein riesiger Campingplatz mit Yachthafen und allem Drumherum - Restaurant, Badestrand, Grillplätze, Kiosk usw. usw.
Radfahrer ohne Ende auf den Treidelpfaden im Schatten der Bäume. Auch Ute wird mir am Abend von der schönen Fahrt vorschwärmen, viele Menschen nutzen den Sonntag Nachmittag für eine kleine Tour.
Ute ruft an, sie wartet schon in Mölln, gerade bin ich auf einem Kanalstück, dass fast unendlich aussieht - allerdings ist es nur gefühlte Unendlichkeit, hervorgerufen durch die maximal mögliche Geschwindigkeit auf diesem Kanal, es ist nicht mehr weit.
Ach Scheiße, da ist die Bizon wieder! Eigentlich hatte ich ausgerechnet, dass ich sie nicht einholen werde, anscheinend war sie auf dieser Etappe noch langsamer. Naja, nicht so schlimm, ich bin ohnehin gleich am Ziel.
Gaaaanz langsam nähert sich die
Bizon B 29 der Einfahrt in den See. Auf jeden Fall haben die beiden Männer gewaschen, einer hängt Unterhosen auf dem Achterdeck auf.
Endlich ist der Blick frei auf den Ziegelsee, Ute wartet dort schon seit Stunden auf mich, ich hoffe, sie hat sich schon um einen Liegeplatz gekümmert. und tatsächlich: Als ich auf die Steganlage des Möllner Motor Yachtclubs zulaufe, winkt sie heftig und zeigt, ich solle um die Anlage herum fahren.
Und dort, oh Schreck, ist eine gut drei Meter breite Box frei. Mindestens 5 Skipper-Kollegen haben sich um Ute gescharrt und alle zusammen weisen mich nun ein. Jetzt bloß kein Fehler - und es klappt. Ganz langsam schiebe ich die 3,05 Meter breite Tremonia zwischen die Dalben, passt so gerade.*Leinen kann ich mir eigentlich fast schenken. Der Hafenmeister lobt mich und meine Leinen - "Endlich mal einer mit vernünftigen Leinen" - und schon bin ich fest. Der Abend kann beginnen.
Mölln, der Ziegelsee mit Blick auf die Stadt, eine schöne Lage hat der MMC. Zehn Euro bekommt der Hafenmeister inkl. Kurtaxe (?!), Wasser ist mit drin. Wir gehen erst einmal eine Runde schwimmen, dann was auf die Gabel und anschließend: "Beine hoch". Blick auf Mölln, die Stadt es Till Eulenspiegels. Weil man zum Einkaufen um den See herum muss, gibt es Fahrräder am Yachthafen. Überhaupt sind die Sportkameraden sehr gut organisiert, die Anlage ist liebevoll gepflegt, alles macht einen sehr guten Eindruck. Kompliment!
Abends erstrahlt die Festbeleuchtung - mir kommt nur des Kaisers E-Plus-Spruch mit Weihnachten in den Sinn, aber wenn man von der anderen Seeseite auf den Hafen zuläuft ist das sicher um Klassen besser als eine aufwändige Tonnen-Befeuerung.
Tagsüber sieht es etwas nüchterner aber nicht schlechter aus, wie schon gesagt, eine nette Anlage und eine sehr persönliche, freundliche Stimmung - absolut zu empfehlen für einen entspannten Aufenthalt.
Aber für uns geht es weiter, Ute wird mit dem Rad nach Lübeck fahren, ich werde es über fünf Schleusen versuchen müssen. Beim Auslaufen auf den Ziegelsee geht die Tiefe unter Kiellangsam aber sicher auf "0" zurück, ich stoppe früh genug auf, versuche es etwas weiter links - da klappt es. Habe ich vergessen nach zu fragen, blöder Anfängerfehler, sonst immer Standard vor dem Ablegen oder vorher beim Snack am Steg: Gibt es unbezeichnete Untiefen? Egal, ging ja gut. Ute ist trotz der Verzögerung querab, eigentlich müsste sie ja schon viel weiter sein: Sie hat ihr Buch vergessen, also suchen wir beide nach einer Möglichkeit der gefahrlosen Übergabe.
Hier kann ich nahe ran und sie auch - und da fliegt das Buch, sorgfältig verpackt in eine Tüte, an Land - so kann Ute sich die Wartezeit in Lübeck oder unterwegs verkürzen, denn heute werde ich Stunden länger brauchen als sie, die Schleusen fordern ihren Tribut.
Donnerschleuse bei Neulankau - ich bin Boot Nummer Sieben (!), nach mir weitere drei Sportboote. Doch vor mir ist u.a. auch die
Cayenne, und der Skipper will nicht neben den Frachter, der Rempler von gestern steckt ihm wohl noch in den Knochen, und seine beiden Begleiter wollen dann auch warten, also komme ich gleich bei der ersten Schleusung mit. Später hören wir über Funk, dass noch zwei weitere Schleusungen vergehen, ehe die Gruppe mitkommt, mal wieder Schwein gehabt...
"Unser" Frachter, BM 5107 aus Warschau lässt uns sogar beim Auslaufen den Vortritt und so können wir recht zügig (soweit dies mit 10km/h möglich ist) bis zur nächsten Schleuse fahren, unbehelligt von den vielen Langsamfahrstellen für den "Dicken" - warten müssen wir natürlich auf ihn - in Behlendorf, an der nächsten Schleuse.
Und so fahren wir dahin, wie am Vortag durch eine schöne Landschaft.
Leicht hügelig, dicht bewaldet auf der einen Seite...
...Weideflächen und Felder auf der anderen - dazwischen die Bauernhöfe - ein schönes Bild.
Fährt man als erster im Konvoi hat man das Glück, den Kanal von einer weiteren Seite zu sehen - im glatten unbewegten Wasser spiegelt sich die reiche Vegetation - schöne Bilder!
Dies vor allem am Morgen, wenn noch alle anderen schlafen - aber ich will hier keinen falschen Eindruck erwecken: In der Regel waren wir diejenigen, die spät losfuhren - wir haben doch Ferien, und ein schönes gemeinsames Frühstück in aller Ruhe - das gehört einfach dazu. Wenn ich alleine fahre, bringe ich es auch schon um fünf oder sechs auf dem Wasser zu sein.
An vielen Stellen stehen Hochsitze, sicher interessant hier in der Dämmerung. Also ehrlich, wenn ich Hirsch wäre - ich würde mir auch diese Stelle aussuchen zum abendlichen Äsen, einfach schön. Oder wenn ich den Brunftschrei loslassen wollte, um den Damen zu imponieren, das kommt hier bestimmt besonders gut. Meine ich, keine Ahnung, wie ein realer Hirsch darüber denkt, man steckt ja nicht drin in so einem Tier....
Auch irgendwie romantisch, so eine verschwiegene Hütte im finsteren Forst - man sieht nur das Reet-Dach, alles andere verschluckt der Wald.
Unterhaltungsarbeiten am Ufer - muss ja sein, aber der Staub (dem man bei einem offenen Boot ja kaum entgehen kann) ist schon ecklig. Ich nehme Gas weg und als die Maschine bei ihrer wie auch immer gearteten Arbeit an eine weniger staubige Stelle kommt, lege ich den Hebel auf den Tisch und bin vorbei. Herje, klar war ich einen Hauch schneller als 10km/h, aber diese Fein- und Grobstaubbelastung wollte ich mir angesichts der einschlägigen EU-Richtlinie nicht rein tun.
Hier werden Bäume gefällt - wasserseitig unterstützt von der
Steinau des WSA Lauenburg.
Schleuse Behlendorf, diesmal geht es nur 1,60 in die Tiefe. Der so genannte Nordabstieg geht insgesamt fast 12 Meter in die Tiefe - verteilt auf fünf Abstiegsbauwerke.
Warteplätze für Sportboote - manchmal können zwei Boote ganz gut festmachen, vor manchen Schleusen kann man (wie hier) links und/oder rechts neben den Toren liegen oder aber an den breiten Holzdalben. Was haben wir, vor allem auf der Rückfahrt, hier gewartet - Stunden! Aber da darf man sich dann keinen Stress machen, manche Zeitgenossen werden fuchsteufelswild, versuchen mit den Schleusenmeistern via Funk oder auch persönlich zu diskutieren - was soll´s, wir haben Urlaub. Da wird dann gelesen, die Espresso-Maschine angeworfen oder auch gekocht und gegessen!
Eines unserer Standard-Essen, blitzschnell gemacht auch in kleiner Pantry schmeckt es immer anders aber immer lecker: Zwiebeln und Zucchini und/oder Obergine und/oder Kaiserschoten - was immer gerade zu bekommen war - klein schneiden, andünsten, passierte Tomaten aus der Packung dazu und dann mit Nudeln (Sorte egal) essen, Parmesankäse nach Geschmack darüber - schnell und lecker und nahrhaft. Rezept ist von meiner Tochter, muss ich demnächst mal bei
Kochen mit Käpt´n Kalle veröffentlichen.
Auf der Rückfahrt haben wir hier übernachtet, nach Rücksprache mit dem Schleusenmeister ist das möglich. Allerdings sehr einsam, einzige Lichtquelle weit und breit (von den Sternen mal abgesehen und die sind ja für eine ergiebige Lichtquelle mit anständiger Lichtausbeute sehr weit entfernt) war die Beleuchtung des Stopp-Schildes an der Schleuseneinfahrt. Zwar strandete gegen 21.30 Uhr im Unterwasser ein Segler, so dass wir nicht ganz allein waren, aber sicherheitshalber habe ich die
Tremonia gegen zehn an das Leitwerk gelegt - Landverbindung an so einsamen Liegeplätzen lässt mich schlecht schlafen....
Idyllischer Liegeplatz auf der Rückfahrt: Schleuse Behlendorf, Oberwasser Heißer Tipp: Wenn man an einer Schleuse übernachtet, nur im Oberwasser!!! Ab 6.00 Uhr wird geschleust und das Wasser strömt mit riesigen Wellen ins Unterwasser - da wird man früh wachgeschaukelt, die Balken gegen den Schwell nutzen da relativ wenig!
Neue Schleuse neues Glück - jedesmal zeigt uns Skipper Jan, wie es richtig geht: Er läuft mit dem Bug an einen Poller, der Matrose legt die Vorspring und dann dampft er ganz gemütlich ein und hat Zeit und Gelegenheit, in aller Ruhe die Leine am Heck zu belegen - das Schiff dreht ja das Hinterteil von allein an die Wand. Alle Schleusen haben übrigens glatte Wände und ausreichend Poller, nur für das letzte Boot, das sich hinten in die Ecke drehen muss, wäre ein zusätzlicher Poller praktisch gewesen. Bis auf die Schleuse Lauenburg können überall Sportboote neben der Berufsschifffahrt liegen, wenn man denn nur an dem Frachter vorbei kommt. Aber Aufpassen: Bei der Ausfahrt der dicken Pötte kommt dann der Schwell von hinten, da hatte ich beim ersten Mal fast ein Problem, weil ich damit nicht gerechnet hatte.
Eine neue Brücke soll es hier geben, derzeit wird das alte Schätzchen demontiert und ein Ponton für Fußgänger und Radfahrer liegt quer im Kanal. Bei jeder Durchfahrt wird er an die Seite gezogen.
Bewegt wird das Teil mit einem einfachen Außenborder, damit kann der Ponton an die Seite geschwenkt werden. Sobald der Konvoi vorüber ist, wird die Lücke im Wegenetz unverzüglich wieder geschlossen.
Ich kürze etwas ab - Kilometer 0 ist erreicht, Höhe Genin, der Kanal mündet in die Trave oder besser umgekehrt, jedenfalls befahren wir nunmehr die Kanaltrave.
Travemündung (in den ELK) bei Genin eine schmale Fußgängerbrücke überspannt den jungen Fluss. Gerade kommen die neuen Wasserstände, jetzt macht sich der trockene Sommer aber deutlich bemerkbar. Noch gestern erstaunlich gute Werte für die Elbe gehen die Tauchtiefen jetzt drastisch in den Keller, teilweise 30 Zentimeter weniger als am Vortag. Egal, wir sind durch und in Lübeck...
...denn schon kommen die Türme von St. Marien ins Bild. Also ich habe zuerst versucht, die stürzenden Linien in den Griff zu bekommen bis ich begriffen habe: Die Türme sind schief, da kann man nichts durch die Perspektive versauen. Also, bitte nicht auf den Fotografen schimpfen, wann immer St. Marien im Bilde ist - die Türme stehen einfach schief! Vorn im Bild: Yachthafen des Lübecker Motoryacht Clubs.
Einfahrt in den Stadtgraben, der einfachste Weg in Richtung Hansehafen, 4,10 Meter die niedrigste Brücke, alles ohne Stress, allerdings mit nur 6km/h - aber da ist man nach tagelanger Schleichfahrt abgehärtet.
Wunderschöner Wasserweg dieser Stadt-Graben, er windet sich um die Altstadt und ist dicht bewachsen. Nur an den Brücken bekommt man die Nähe der City mit
Ob das ein ruhiges Plätzchen für die Nacht ist - keine Ahnung, aber hier lagen bei jeder Vorbeifahrt Motorboote, muss also wohl funktionieren, obwohl in der Nähe jede Menge Menschen ´rumturnen (Nix gegen Menschen, aber irgendwie sahen die nach Alkis aus und da weiß man ja nachts nie, auf welche Gedanken die so kommen).
Hier ist das Holstentor ganz nahe und wer im richtigen Augenblick nach links blickt, kann es für 2,3 Sekunden sehen - die Puppenbrücke läuft direkt auf das Stadttor zu.
Die niedrigste Brücke, 4,10 Meter, dann sind wir durch und auch gleich auf einer Seeschifffahrtsstraße, ab hier also Kanal 16! Eisenbahn und Radfahrer passieren hier den Kanal, hinter der Brücke liegt der Wallhafen. Und gleich ändert sich die Umgebung, gleich ändert sich das Gefühl - kaum dass man den engen Stadtgraben verlassen hat!
Ein riesiges Hafenbecken mit langer Kaianlage, Möwengeschrei, frischer Wind und Blick auf eine schöne Häuserzeile. Gewaltige Speicher auf der rechten Seite mit schier endlosem Kai, aber alles ohne Schiffe.
Bei den Hubbrücken biegen wir nach Steuerbord in den Hansahafen ein, und das hat sich in den letzten Jahren ganz schön gemausert hier. Statt der in der Literatur beschriebenen Situation finden wir hier einen richtig guten Liegeplatz vor, der vor wenigen Wochen seinen ersten Geburtstag mit einem kleinen Fest begangen hat.
Der Hansahafen - heute liegt ein breiter Steg mit Service-Einrichtungen im Speichergebäude am Kai. Wasser und Strom am Steg, abends wird es voll - trotz stolzer 12 Euro plus 3 Euro für Elektrizität. Man ist sofort in der Altstadt und wer durch den Verkehrslärm nicht zu sehr gestört wird, der findet hier einen idealen Ausgangspunkt für eine Erkundung der Stadt.
Der engagierte Hafenmeister hilft mit Informationen, besorgt dies oder jenes, steht immer als Ansprechpartner zur Verfügung. Schöner Blick vom Stegende auf die berühmten Hubbrücken.
Abendliches Stimmungsbild vom Steg mit Segler
Norden, der am nächsten Tag zur Travemünder Woche auslief. Eine schöne Atmosphäre hier in Lübeck, Möwengeschrei, die großen Kaianlagen, überall Schilder "Nicht anlegen - Seeschiff erwartet" - und im Hansahafen geht es gemächlich zu, ohne Schwell wegen einer niedrigen Dreh-Brücke können hier keine größeren Schiffe verkehren.
Große Diskussion am Morgen: Die Elbwasserstände sind weiter gefallen, zwei Crews müssen völlig umplanen, der Weg zur Müritz ist für sie schon verschlossen. Gerüchte machen die Runde, die komplette Müritz-Elde-Wasserstraße soll geschlossen werden, Ratlosigkeit bei einigen, Karten werden gewälzt.
Lübeck - 50-Mark-Schein - Holstentor - leider verpackt und durch das Logo der Deutschen Bank verschandelt. Es gibt ein neues Dach, Dachdecker aus dem Sauerland sind dabei, die komplizierte Bedachung zu erneuern. Jede Schieferplatte muss angepasst werden. Thomas Göckele, Firmenchef aus Bad Fredburg erklärt, dass nicht mehr als fünf Leute gleichzeitig arbeiten können, da es sich um eine komplizierte Gewinde-Deckung handelt, die Reihen ziehen sich spiralförmig bis an die Spitze. Bei mehr Arbeitern würden sich schneller Fehler einschleifen. Und so müssen die fünf Sauerländer 30 Tonnen Moselschiefer allein aufnagel - und das dauert!
Aber Lübeck hat mehr zu bieten als das Holstentor - es ist wirklich toll, jede Seitenstraße, jede kleine Gasse (und die besonders) überrascht mit neuen Ansichten. Eine schöne Stadt.
Nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe ist die alte Hansestadt ein attraktives Ziel für Touristen. Und viele der Baudenkmäler sind wirklich umwerfend, es sind nicht immer die großen wie das Rathaus oder die schönen Kirchen, die "einfachen" Wohn- und Geschäftshäuser sind oftmals viel schöner.
Jede Gasse ist einen Blick wert - umherstreifen macht viel Spaß. Auch in die Hinterhöfe schauen, oftmals wunderbare Häuser in schattigen Gärten mitten in der Stadt.
Wir wollen noch ein Stückchen weiter - bis nach Travemünde, auch wenn da der Bär tobt, denn es sind schließlich Travemünder Wochen, mehr als 500.000 Besucher wurden bisher gezählt. Also geht es los, Richtung Ostsee. Hier ist die letzte Brücke vor Göteborg - im Bau.
Ein mobiles Einsatzkommando der Polizei fährt in zwei Booten durch den Hafen, Kontrollen der einlaufenden Schiffe oder so - sehen sehr mobil und vor allem agil aus, die Damen und Herren in ihren sportlichen Anzügen.
Die stolze Herrenbrücke - nur noch ein Torso. Abrissbagger nagen an der äußerst stabilen Konstruktion, ein Tunnel hat sie ersetzt. Da kein Geld da war, wurde der Tunnel privat finanziert und ist mautpflichtig. Erfolg: Viele Autofahrer meiden ihn, die Folge: Die Tunnelbetreiber wollen die Maut erhöhen (!) und Lübecks Verkehrsprobleme sind nicht weniger geworden. Im Augenblick wird verhandelt, die Stadt will eine niedrigere Maut erreichen und lockt mit einer Verlängerung des 30jährigen Pachtvertrages - Privatisierung ist eben doch nicht der problemlose Königsweg bei leeren Kassen.
Malerischer Hafen - es ist Gothmund, ein kleiner Fischereihafen. Das dazu gehörige Dorf liegt idyllisch mit reetgedeckten Fachwerkhäusern am Steilufer der Trave. Hier soll es ein gutes Fischrestaurant geben - leider keine Zeit, diese Angabe zu überprüfen.... Auf jeden Fall sieht es vom Wasser sehr schön aus.
Das Landschaftsbild verändert sich, die Trave wird weiter, die weißen Flecken sind keine Schwäne mehr, es sind Möwen und auch die Luft riecht nach Meer - wir nähern uns Travemünde.
Travemünde - schöner Ort an der Ostsee, immer voll, immer was los - wer mal kurz Seeluft schnuppern will, für einen Tag, die Promenade entlang schlendern, frischen Fisch essen - hier ist der richtige Ort für die Erfüllung dererlei Wünsche.
Der Skandinavien-Kai mit den großen RoRo-Fähren, alle sind gut fest gemacht, ragen hoch aus dem Wasser und es besteht anscheinend keine Gefahr, dass sie gleich ablegen, also kann man mal etwas näher ran. Gigantische Teile, wenn man da so dran vorbei fährt...
Dieses Monstrum fährt für Finnhansa.
...und ragt ganz schön weit aus dem Wasser, jedenfalls lugt der Bugwulst hoch aus dem nassen Element.
Gleich nebenan liegt dieses Schiffchen - ganz schöne Brocken diese Fähren
Das hässliche Hotel-Hochhaus (Maritim) ist schon lange zu sehen, jetzt schiebt es sich unerbittlich ins Zentrum - sind halt die Bausünden anderer Zeiten. Schrecklich, wie ein einziges Gebäude ein ganzes Panaroma verschandeln kann.
Ein Rahsegler hat gerade abgelegt, Name am Heck lässt sich nicht entziffern, scheinen kyrillische Buchstaben zu sein - aber das tut der Schönheit ja keinen Abbruch. Scheint irgendeinem historischen Vorbild nachgebaut zu sein. Weiß einer näheres????
Konnte ich mir als Fan der ZDF-"Küstenwache" doch nicht entgehen lassen: Vielleicht war Käpt´n Ehlers ja an Bord - keine Ahnung - aber dieser Schnappschuss musste einfach sein!
Dann geht es raus - auf die Ostsee - der Rahsegler lässt die Segel runter, es ist viel los, allerdings mehr am Strand als auf dem Wasser.
Hunderte am Strand schauen zu und warten auf die nächste Regatta. Travemünde ist wirklich voll, die Promenade sieht aus wie der Dortmunder Westenhellweg beim Sommerschlussverkauf. Kein freier Platz mehr in den Restaurants, die Fähren fahren ohne Pause - total überlaufen!
Wunderschöner Anblick, die sagenhafte Passat - Flying P-liner - die unter vollen Segeln, das muss ein tolles Erlebnis gewesen sein. Ich kann mich noch daran erinnern, als das Schwesterschiff
Pamir sank, als Kind habe ich das mitbekommen, damals wurde
Passat, ebenfalls Schulschiff, nicht weiter zur Ausbildung der Kadetten eingesetzt . Doch man hat eingesehen, dass es dafür keine Alternative gibt, heute ist die
Gorch Fock für diese Aufgabe zuständig und seit Jahren im Einsatz.
Und schon sind wir auf dem Weg nach Hause - nach dem kleinen Schlenker auf die Ostsee - tut weh, ist aber nicht zu ändern, jetzt geht es wieder ab in Richtung Heimat: Die Trave bis Lübeck, den Elbe-Lübeck-Kanal zurück bis Lauenburg und dann über den Elbe-Seiten-Kanal bis zum Mittellandkanal - aber das Stück wird in der nächsten Etappe beschrieben....