Santorini - Vulkaninsel in der Ägäis - Oktober 2006

Sonnenuntergang - diesmal auf dem Wasser

Evening Tour zum Sonnenuntergang diesmal mit dem Boot - Manni hat bei Kamari-Tours Plätze auf King Thiras für uns gebucht, ein "Segelschiff", mit dem ich schon mal gefahren bin in der Erwartung, der Dreimaster läuft unter Segel. Beim An-Bord-Gehen war ich dann enttäuscht, dass gar keine Segel an Bord waren und nach dem Anlegemanöver am Ende des Törns war ich dann froh, dass diese Crew nie die Chance hatte, Segel zu setzen....

Wie dem auch sei, diesmal bin ich vorgewarnt und werde mich nicht auf einen Segeltörn freuen und daher nicht enttäuscht werden, wenn nur der Diesel brummt. Aber: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt - und bei mir ist es Angstschweiß, denn King Thiras legt in Athinios-Port ab, dem Tiefwasser-Hafen der Insel - und dahin kommt man nur mit dem Bus.

Und dieser muss sich etwa 300 Meter an der steilen Caldera-Wand nach unten schrauben, abenteuerliche Serpentinen sind hier in den Fels gehauen, eine schmale Straße mit steilen Spitzkehren schraubt sich hier an den brüchigen Felsen geklebt hinunter zum Hafen.


Athinios-Port tief unter uns - der Dreimaster wartet schon

Je nach Temperament des Busfahrers wird diese Strecke mehr oder weniger rasant bewältigt - beim letzten Mal war es ein junger Mann, der neben seinem Handy unterwegs auch noch andere Dinge bediente, so zwei junge hübsche Reiseleiterinnen unterhielt, die neben ihm saßen und ihn stark zu interessieren schienen - entsprechend unvergesslich ist diese Schussfahrt für mich geblieben.

Diesmal geht es etwas weniger hektisch zu - unten im Hafen legt gerade die Katamaran-Fähre an, knallrot und mit viel Getöse macht sie die Welle....

King Thiras lässt es etwas ruhiger angehen, wir fahren entlang der Caldera-Wand in Richtung Thira. Sehr schön leuchten die verschiedenen Ablagerungsschichten der vielen Vulkanausbrüche im Licht der Abendsonne, gekrönt von der bis zu 60 Meter dicken weißen Bimsschicht der Katastrophe von vor 3.600 Jahren. An vielen Stellen klaffen tiefe Lücken in dieser Schicht - lange Zeit war der Abbau von Bims wichtige Einnahmequelle, der auch unter Wasser härtende Santorini-Zement ist überall auf der Welt verbaut worden.

Thira kommt in Sicht, die Inselhauptstadt mit ihren in den Bims hineingebauten Höhlen-Häusern und dem Hafen am Fuß der Caldera-Wand ist der Höhepunkt der Fahrt. Links ist Imerovigli zu erkennen, der höchstgelegene Ort am Kraterrand, unter der Hafen mit den großen Muring-Tonnen zum Festmachen der Schiffe.

Gerade mal zwei Passagierschiffe liegen auf Reede, wo allerdings der Anker der unter der Flagge der Marshall-Islands laufenden Insignia fasst ist mir ein Rätsel - die Wassertiefe hier beträgt viele hundert Meter, vielleicht hat sie sich die 30-Meter-Untiefe ausgesucht, die durch den versunkenen Koloumbos-Vulkan entstand, der am 14. September 1650 ausbrach und der nach einiger Zeit wieder im Wasser versank. Andererseits hängt die Ankerkette seltsam senkrecht ins Wasser, so als würde der Anker ohne jeden Landkontakt einfach unter dem Schiff hängen - egal -auf jeden Fall warten auch die 684 Passagiere dieses 1998 gebauten Kreuzfahrers auf den Sonnenuntergang. Im Sommer sind oft mehrere dieser Riesen gleichzeitig in der Caldera, wobei die Insignia ja eher zu den kleineren Dampfern zählt. Nicht auszudenken, wenn eines der Monsterschiffe der neuesten Generation Santorini heimsuchen würde - so locker mit 3.000 Passagieren oder wie die in Bau befindlichen Megaschiffe mit 5.000 Reisenden - Katstrophe!

Hoch über dem Wasser thront die Stadt, einzigartig und immer wieder faszinierend. Im Licht der untergehenden Sonne leuchten die Fassaden in den typischen Farben der Insel, ein hinreißender Anblick.

Vom Hafen aus führt ein serpentinenartiger Weg nach oben, früher einziger Weg für alle Menschen und Güter. Seit es Athinios-Port gibt, können dort die Fähren und Frachtschiffe anlegen. Für die vielen Besucher aber gehört es gerade zu den Attraktionen der Insel, mit der Seilbahn (links) oder auf Esel/Muli-Rücken oder aber auch auf den eigenen zwei Beinen die dreihundert Höhenmeter zu bezwingen. Wenig später werden tausende von Lampen den Ort erhellen, ein wunderschönes Bild, von einem schwankenden Schiff allerdings nicht gut zu fotografieren.

Während es weiter geht in Richtung Oia gibt es das gebuchte landestypische Essen an Bord - richtig lecker und eine schöne Vorbereitung auf das, was nun kommt:

Während sich die 180 Meter der Insignia auf dem Weg nach Rom langsam aus der Caldera schieben (respektable 20 Knoten kann der Dampfer laufen), steuern wir unterhalb von Oia auf die kleine Insel am Hafen zu und können so den dicken Pott gerade noch zwischen beiden "Landmassen" erwischen - die Sonne steht schon sehr tief und wird gleich hinter der dicken Wolkenbank verschwinden.

Immer stimmungsvoll: Sonnenuntergänge auf Santorin!

Plötzlich ein vielstimmiges Raunen - da kommt doch ein Segler, also besser: Ein Touristensegler, sprich ein Segelboot, dass seine Segel zur Gaudi der Touris spazieren fährt - egal - auf jeden Fall ist das jetzt so kitschig, dass man es für eine superkitschige Ansichtskarte kaum besser in Szene hätte setzen können, also: Segler vor untergehender Sonne!

Und dann ist die Sonne verschwunden, für uns jedenfalls. Oben in Oia wird noch fotografiert, überall blitzt es (!) aber dann verblasst auch hier das warme Licht und weicht dem fahlen Schein - langsam legt sich die Dämmerung auf die Insel.

Die beiden Kameni-Inseln voraus als dunkler Schatten, die Farben sind verschwunden, es wird Nacht. Schade, dass die tollen Nachtansichten von Oia und vor allem von Thira sich nicht fotografieren ließen (für Langzeitbelichtungen schwankte das Schiff einfach zu stark) - da hilft nur selbst hinfahren! Es sieht fantastisch aus!

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