Sch wie Schleusen oder schleusen

Drama oder Lustspiel in fünf Akten

3. Akt - Bin ich schon drin?

Irgendwann geht es also los. In der Regel fährt die Berufsschifffahrt zuerst ein. Sportboote liegen im hinteren Teil, weil dort die Strömung (wenn das Wasser denn von vorne kommt) gering ist. Außerdem besteht dort nicht die Gefahr, dass ein Schiffsführer seinen Bremsweg falsch einschätzt und ein Sportboot als Knautschzone benutzt. Allerdings bekommt man dafür dann beim Ausfahren der Dicken den Schwell ab - doch das kommt erst später dran, nicht alles auf einmal! Man fährt erst ein, wenn der letzte Frachter kein Schraubenwasser mehr macht! Manchmal machen die Schleusenmeister ein wenig in Hektik - da muss man dann hart bleiben. Wer das schon mal erlebt oder wenigstens gesehen hat, wie es einem Sportboot ergeht, dass in so einen Whirlpool einfährt, der ist auch für Geld und gute Worte nicht bereit, ein solches Wagnis einzugehen. Also warten, und wenn der Dicke immer weiter Schraubenwasser macht (weil der Skipper allein an Deck ist und sich der Einfachheit halber gemütlich in die Spring legt) - na, dann kann man doch mal über Funk versuchen, ruhiges Fahrwasser zu bekommen.


Herne-Ost - ich mache ausnahmsweise an Steuerbord fest, warum? Schau mal auf den Windsack!

Grundsätzlich versuche ich immer, Kontakt mit meinem Vordermann aufzunehmen, so etwas kann nie verkehrt sein und lohnt sich manchmal im Blick auf die Ausfahrt. Wenn es ein wenig menschelt, klappt es meistens besser. Aber erst mal soweit kommen. Zunächst also in die Kammer fahren, schnelle Entscheidung, an welchen Poller man geht (wenn nicht der Schleusenmeister genaue Vorgaben macht) und dann ran an die Wand. Dabei hat es sich nicht bewährt, sich so langsam an der Wand entlang zu schleichen, immer näher, immer näher an den Poller heran zu tasten - ist man dann eine Winzigkeit zu nahe, bleibt vielleicht der Bugfender an der Spundwand hängen und das Theater ist groß. Besser mit etwas Abstand anlaufen und dann wie beim Anlegen an die Wand drehen, den Radeffekt beim Aufstoppen geschickt ausnutzen - und damit ist schon klar: Möglichst an der Schokoladenseite fest machen, an der Seite also, in die das Boot durch den Radeffekt beim Aufstoppen ohnehin bewegt wird. Bei mir (rechtsdrehende Schraube) ist das die Backbordseite. Es sei denn, der Wind ist als ernstzunehmender Faktor mit im Spiel oder der Schleusenmeister will mich auf der anderen Seite sehen oder aber die Schwimmpoller sind gerade auf der Steuerbordseite oder ich will noch schnell Abfall entsorgen (und die Container stehen "falsch") - es gibt also Gründe genug, warum man sich nie darauf verlassen kann, seine Lieblingsseite nutzen zu können. Darum noch einmal ganz deutlich: Immer beide Seiten fürs Anlegen klar machen, auch wenn es etwas mehr Arbeit ist! .


Sportboote in der Schleuse Henrichenburg - Gleiterfahrer haben´s gut - man hilft sich halt

Festmachen, klar, das muss auch sein und das hängt von der Art der Poller ab. Nischenpoller sind klasse - wenn sie sich in regelmäßigen Abständen wiederholen. Man hängt in aller Ruhe die Leine um und hangelt sich so nach oben (oder unten). Nicht alle sind so marode wie diese hier 2005 in der Nesserland-Schleuse zu Emden - aber es gibt schlimmere - manchmal sind sie so schlimm, dass sie gar nicht mehr da sind, es fehlen zwischendurch welche! Wenn Berufsschiffe entegegen den Regeln diese kleinen Nischenpoller zum Eindampfen oder gar zum Abstoppen nutzen, kann es die schon mal zerlegen. Tipp: Immer mal kurz nach oben schauen, ob sich in allen Nischen auch Poller befinden!

Typisches Bild aus nachgerüsteten Großschifffahrtsschleusen: Hier hat man Stangen zwischen die Poller eingeschweißt, so dass der Abstand auch für Sportboote nicht zu groß wird. Stangen sind prima, fast so bequem wie Schwimmpoller. Man kann die Leine herumlegen und ganz einfach rutschen lassen. Aber aufpassen, oftmals sind zwischendurch Befestigungen, da muss die Leine dann wieder los. Übersieht man die, kommt Hektik auf!!! Tipp: Nie cool sein, Augen auf und überlegen, wie das Ganze ablaufen wird. In manchen Schleusen hat man so eine Art kleine "Sterne" eingeschweißt, die mit einem Bootshaken von sehr kleinen Booten gut genutzt werden können - für Leinen sind hier die Zwischenräume einfach zu klein.

Manchmal gibt es auch nur Poller auf dem oberen Rand - und das durchaus bei vielen Metern Hub. Hier ist man auf Hilfe unbedingt angewiesen, es sei denn, man kann excellent eine Leine werfen. Und man braucht unter Umständen lange Leinen! Diese "Kinderpoller" hier (mit Größenvergleich) sind absolut schwierig, denn wenn das Boot zu Berg schleust und oben angekommen ist, findet die Leine kaum Halt, rutsch ab, weil die Poller oftmals tief unten liegen - da muss man sich schon was einfallen lassen. Aber man findet oben wenigstens was. Bei manchen Großschleusen steigt man schon mal 6-10 Meter in die Höhe und wenn dann der letzte Nischenpoller im Wasser verschwindet steht man blank da - denn am Schleusen-Rand steht kein Poller! Tipp also: Spätestens nach dem Festmachen noch oben schauen (manchmal kann man es auf der Gegenseite besser erkennen) und Maßnahmen vorbereiten (Manchmal gibt es eine Leiter, die man dann oben mißbrauchen kann, manchmal aber muss man mit zwei Leinen zwei weiter entfernte Poller nutzen.

Die Gretchenfrage ist immer (Vor allem in den Großschifffahrtsschleusen): Wieviele Poller kann ich überhaupt erreichen? In den großen Schleusen sind diese oftmals weit voneinander weg - eben für Berufsschiffe dimensioniert - da muss man dann ggf. mit einem Poller hinkommen. Es bringt auch nichts, im Vorbeifahren eine Leine um einen Poller zu hängen, wenn sich dieser dann später zwei Meter (und damit unerreichbar) hinter dem Boot befindet und man nicht umhängen kann - siehe unten.

Ich mache eigentlich ständig nur an der Mittelklampe fest, bei den neun Metern der Tremonia komme ich damit meistens prima klar. Nachteil: Ich habe wenig Spiel, kann also nicht "mal eben zwei Meter nach vorn gehen" - ich muss mit meiner Klampe am Poller bleiben. Sind zwei Personen an Bord und zwei Poller erreichbar, kann man da natürlich durch die Leinenlänge besser variieren. Absolut wichtig: Man muss die Poller vom Boot aus erreichen können, auch während des Schleusens (siehe oben)!


Keine Nischenpoller: Die Crew der Complex hängt an den Pollern am Schleusenrand

Das Bild oben weist auf ein Versäumnis hin:: Über den Drempel habe ich noch nichts geschrieben! Also, beim Schleusen zu Tal sollte man sich vom hinteren Tor gut freihalten, eine gelbe Linie zeigt in der Regel an, bis zu welcher Stelle die Schleusenkammer genutzt werden kann - denn im hinteren Teil lauert der Drempel, jene massive untere Begrenzung des Obertores. Wer hier aufsetzt, riskiert schlimme Schäden an Ruder, Schraube und Rest-Schiff. Schauen Sie sich mal den nächsten Drempel an: Überall zeugen deutliche Schleifspuren davon, dass man sich eben nicht immer darauf verlassen kann, dass der Schleusenmeister schon aufpassen wird. Noch zwei Dinge zeigt das Foto oben: Hier (Finow-Kanal) braucht man lange Leinen und - auch das bringt die Situation mit - die Möglichkeit, das Boot mit den Leinen zu positionieren wird umso schlechter, je länger die Leinen werden, das jedenfalls ist physikalisch begründet, denn der Zug der Leinen wirkt senkrecht nach oben! Aber da sind wir ja schon weiter als im Text, also Kommando zurück und Wasser marsch....

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